Irland – von Fish and Chips und wilden Wellen

Fernweh? Auch bei Regenwetter viel erleben mit Janinka in Irland. Wir wollen die Welt und ihre wunderbare Natur entdecken, doch wie können wir das gestalten, dass uns diese auch noch lange erhalten bleibt?

Irland wirkte so weit weg und dann war es doch um die Ecke. Ein erster Stopp fand in Brüssel statt, wo wir Verwandte besuchten. Von dort ging es durch den Tunnel nach London, von wo aus es mit einer relativ kurzen Zugfahrt und dann nochmal etwa 3h Fährfahrt auch nicht mehr so weit bis Dublin war. Dort am frühen Morgen anzukommen, macht den Start nochmal schöner, weil man wie gemeinsam mit seinem Reiseziel aufwacht.

Irland war bewölkt, verregnet und einfach unglaublich toll! Mit den Zügen oder Bussen vor Ort kamen wir an unsere größeren Urlaubsziele. Die Zugfahrten waren sehr angenehm und wir waren immer wieder überrascht, wie kommunikativ alle in den Zügen waren. Immer wieder entstanden Gespräche mit Fremden, vor allem auf den 4er-Plätzen und es schien normal zu sein, dass man sich im Zug mit seiner*m Nachbar*in unterhält. Ob man sie nun kennt oder nicht. Das fiel uns sehr positiv auf.

Wir (zwei Freundinnen gemeinsam auf Reisen) verbrachten auch einige Zeit in den Zügen damit, gemeinsam ein Rätsel-exit-Buch zu lösen und einfach viel gemeinsam zu Quatschen und zu Lachen. Für entspanntes aus dem Fester schauen und Hörbuchhören war aber auch immer genug Zeit. Und bei jeder Fahrt war die Vorfreude und Erwartung auf das nächste Reiseziel groß. Und das lustige “Rumraten”, wie wohl die nächste Unterkunft wird, war ebenfalls regelmäßiger Teil der Reise. Wir hatten alles an Unterkünften: von wunderschön bis hin zu eiskalt und etwas müffelnd (teils zugegeben auch erst wegen unserer regennassen Klamotten). Insgesamt macht die Fahrt ins Ungewisse und das Draufeinlassen aber auch jedes Mal viel Spaß und ist für uns Teil des Reise-Abenteuers.

Dublin ist eine sehenswerte Stadt und hieß uns direkt mit einem leckeren traditionellen (auch vegan möglich) Frühstück in einem netten Café willkommen. Die Stadt bietet viele Sehenswürdigkeiten, spannende Museen und Stadttouren (Empfehlung: free walking tours) und Tagessausflüge zum Beispiels nach Howth an die Küste oder nach Glenderlough/Wicklow Mountains, sodass wir schon erste Wanderungen in der schönen Natur Irlands machen konnten. Besonders spannend war das kleine Kloster mit seinem Friedhof in Glenderlough, denn die Grabsteine sind teils sehr detailliert auch mit Verwandschaftsbeziehungen beschriftet, jedoch für uns nicht immer in logsicher Reihenfolge mit den Geburtsdaten. So wurde der Friedhofsbesuch zu einem kleinen Rätselnachmittag (leider in strömenden Regen, aber naja...) wer denn nun von wem der Vater oder Sohn, Neffe, Nichte, Cousine etc. war.

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Beeindruckende Wellen an der Westküste Irlands 

Meist schien die Sonne an unseren Reisetagen (also, wenn wir im Zug saßen) und es schüttete, wenn wir draußen waren. Ein kleiner Streich des Schicksals, den wir jedoch mit Humor nehmen konnten. Das raue Wetter hatte auch seinen Reiz und vor allem die wilden Wellen an der Küste waren ein absolutes Highlight der Reise. Die riesigen Wellen, die sich am Strand oder an der Küste brachen, teilweise große Gischtflocken wie Schnee aufwarfen und die steilen Küstenwände hochspritzen. Wir verbrachten viel Zeit damit, dieses Naturspektakel zu bestaunen oder ließen uns – als wir eh vom Regen durchnässt waren – ergebend lachend von den Wellen nassduschen und konnten so die Natur und ihre Kraft direkter spüren. Und die Sonne während der Reisetage bot immerhin eine gute Sicht auf die vorbeiziehende grüne mit grauen Mauern durchzogen und von weißen (und manchmal schwarzen) Schafherden gesprenkelte Landschaft. Besonders gefallen hat uns das County Kerry im Westen sowie das Dorf Dingle und die gesamte Dingle-Halbinsel (Dingle Peninsula) - unsere absolute Reiseempfehlung also.

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Hafen von Dingle im County Kerry

In Galway etwas weiter nördlich an der Westküste war nicht viel los und wir wussten erst nichts so richtig mit uns und der Stadt anzufangen. Doch dann konnten wir noch einmal mit den Wellen tanzen, oder eher Spielen: Sie schlugen an einem langen Peer, den wir entlang gingen in eher unvorhersehbaren hohen Fontänen hoch und wir machten uns einen Spaß daraus vor diesen Fontänen davonzuspringen oder unter ihnen hindurch zu Flitzen. Wie bei Super Mario oder einem Ninja Parkour so kamen wir uns dabei vor. Die Stadt selbst war auch recht schön und bot historische Gebäude und schöne Wandbilder sowie leckeres lokales Eis in “irischen” Geschmacksrichtungen wie Dingle Sea Salt oder Irish Brown Bread und Whisky und wir kosteten uns durchs Sortiment.

Die Landschaft Irlands ist auf der einen Seite spannend eintönig mit – wie man es immer hört und kennt – kleinen Mauern, Wiesen und Schafen und dann andererseits faszinierend mit lokal absoluten landschaftlichen Schön- und Besonderheiten. So sahen wir mehrere beeindruckende Steilwände (auch die Cliffs of Moher, einen Drehort von Harry Potter), schöne Höhlen und die kuriosen Giants Causeways mit ihren natürlich entstandenen 5- und 6-eckigen Basaltsäulen. Bei den Cliffs of Moher spielte uns das Wetter abermals einen Streich und hüllte diese in einen dicken Nebel und wir mussten uns im kalten Wind und Regen lange gedulden, bis wir diese beeindruckenden Steilwände zu Gesicht bekamen. Doch auch das hatte seinen Charme.

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Cliffs of Moher

Auch die Städte und Dörfer Irlands boten viele schöne Orte: von Sehenswürdigkeiten, schönen Wandbildern (murals), niedlichen Cafés über coole Pubs mit live Musik bis hin zu guten Museen.

Wieso habt ihr euch für eine Reise ohne Flugzeug entschieden?

Es ist deutlich klimafreundlicher und vor allem die europäischen Länder lassen sich recht gut per Zug erreichen. Mit dem Interrail-Ticket hatten wir viel Flexibilität und konnten auch aus den Zugfenstern bereits die Landschaft bestaunen. Die Zugfahrten in Irland sind auch meist recht schnell, da die Strecken vergleichsweise kurz sind und die Züge meist pünktlich fahren.

Eine von uns fliegt außerdem nicht gern wegen des beengten Raums im Flugzeug, doch die Klimaschutzvorteile sprachen für uns bei einer solchen Strecke sowieso für das Zugfahren.

Was hat die Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht?

Paradoxerweise sowohl die Einheitlichkeit als auch die Vielfalt der Landschaft.

Und das leckere Essen, dass wir uns immer wieder gönnten. Es gibt viele irische Gerichte und Getränke und auch viele vegetarische und vegane Speisen. Von Fish and Chips über Stews, spezielle Kaffees zu Puddings und Gebäckstücken.

Auch das Wetter und seine Wildheit machten Irland zu einem besonderen Erlebnis. Der Wechsel von dem-Wetter-ausgesetzt-sein zu der vielen Zeit in gemütlichen Cafés oder an Kaminen an den Regentagen machten den Urlaub ebenfalls besonders.

Sonstiges Highlight waren Delfine, die wir spontan bei einem kleinen Spaziergang sahen, wie sie an der Küste entlang schwammen und sprangen. Sie schwammen in kleinen Gruppen von 2-4 Delfinen und sprangen immer wieder aus dem Wasser, teils in kleinen Bögen, teils mit dem gesamten Körper. Einer sprang sogar senkrecht in die Luft. Das waren schöne Momente, diese wunderbaren Tiere beobachten zu können.

Welche Herausforderungen hattest du bei deiner Reise?

Wir wollten eigentlich die Flexibilität des Interrail-Tickets nutzen, doch wir stellten schnell fest, dass viele Hotels bereits ausgebucht waren. Somit entschieden wir uns doch dafür, die Reise schon komplett durchzuplanen und v.a. Unterkünfte zu buchen. Somit konnten wir Ausflüge und Weiterfahrten jedoch leider nicht vom Wetter abhängig machen und waren deutlich weniger flexibel als gehofft. Doch die Reisezeiten an den fixen Tagen konnten wir oft noch flexibel gestalten, was sehr angenehm war.

Vor Ort ohne Auto unterwegs zu sein war letztendlich weniger kompliziert, als wir erst angenommen hatten. Man kommt eigentlich überall gut auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Auch zu den abgelegeneren Touristen-Hotspots.

Wir buchten für einige Dinge jedoch auch fertige (Bus-)Tagestouren, was für uns entspannter war und die Guides erzählten auch noch viel drum herum zur Geschichte Irlands sowie den Küstendörfern oder auch Drehorten (v.a. Harry Potter und Game of Thrones).

Was würdest du anderen Leuten empfehlen, die nach Irland ohne Flugzeug reisen wollen?

Fahrt mit dem Zug! Es ist aus Deutschland echt erstaunlich einfach und wir finden, dass der extra Anreisetag es allen wert sein sollte, dafür nicht die Umwelt und das Klima unnötig zu belasten.

Die Fahrt durch den Tunnel, die Landschaft aus den Zugfenstern und auch die Fährfahrt machen die Anreise zum ersten Erlebnis der Reise. Und auch die Fahrten vor Ort boten schöne Aussichten auf die Landschaft Irlands.

Fragt euch, was wirklich eure Beweggründe und Werte sind. Ist da ein Reisetag mehr nicht besser als massive Emissionen für den Flug und damit die Zerstörung der Landschaft, die ihr unter anderem im Urlaub bestaunen wollt?

Nützliche Tipps und Links für die Reisebuchung:

  • Interrail klappt sehr gut für Reisen nach und in Irland
  • Teilweise sind vor Ort Busse besser, hier wird man durch kurze Recherchen jedoch schnell fündig
  • Interrail bietet auch Vergünstigungen für Fähren, Hostels etc. diese vorher einmal durchgehen
  • Regenfeste Kleidung, aber auch Bücher etc. für Drinnen bei Regentagen
  • Schaut vor allem bei den Fähren, welche Anbieter es gibt und welche davon für euch passende Häfen und auch Fahrtzeiten haben! Von Holyhead nach Dublin fahren z.B. zwei Anbieter zu jeweils verschiedenen Uhrzeiten
  • Einiges wie Museen muss man mehrere Wochen im Voraus buchen. Hier rechtzeitig buchen!
  • Keogh´s Café in Dublin hat leckere vegane Speisen und auch viel Traditionelles im Angebot
  • Von Dublin aus nach Glenderlough zum Wandern in den Wicklow Mountains. Das geht mit dem Bus recht gut und die Landschaft ist sehr schön. Das ist ein toller Tagesausflug.
  • Ebenfalls von Dublin mit der S-Bahn (oder sowas) nach Howth für eine schöne Küstenwanderung