Schottland - per Zug durch die Highlands

Fernweh? Wir wollen die Welt und ihre wunderbare Natur entdecken, doch wie können wir das gestalten, dass uns diese auch noch lange erhalten bleibt? Janika nimmt uns mit auf ihrer Reise durch die Highlands.

Dies war der zweite Teil einer größeren Reise. Wir (zwei Freundinnen gemeinsam unterwegs) reisten erst durch Irland und fuhren dann weiter nach Schottland. Insgesamt war es sozusagen eine Rundreise (siehe Foto-Karte).

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Die Gesamttour dargestellt in der Interrail-App

Schottland ist landschaftlich unglaublich beeindruckend. Wir kamen in Cairnryan an (aus Irland) und fuhren von dort mit dem Zug über Glasgow nach Fort William. Schon unterwegs sahen wir die schöne schottische Landschaft, mehrere Regenbögen und bereits unser erster Stopp Fort William begeisterte uns sehr. Es ist schön an einem See (Loch) gelegen und bietet zahlreiche Wandertouren. Unter anderem auch auf den Ben Nevis, den höchsten Berg Großbritanniens. Wir liefen einen schönen Wanderpfad auf einem kleinen Bergkamm entlang mit grandiosem Blick auf mehrere verbundenen Seen, hatten eine kleine “Unterhaltung” mit Schafen unterwegs und kamen dann durch einen schönen Wald mit Wasserfällen und einer Collage an Grüntönen. Hier gab es alles: vom dunklen Grün der Baum-Nadeln, übers milchige Grün der Farne auf den Ästen bis hin zum grell-hellen Grün der Moose auf den Steinen. Selbst der leichte Nebel schimmerte grünlich durch die Reflektion.

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Der „Hogwarts-Express“ auf dem Viadukt bei Glenfinnen 

Auch für Harry Potter-Fans ist hier viel zu sehen, es gibt einige Drehorte und vor allem in der Nähe von Fort William das Viadukt bei Glenfinnan. Dort fährt zwei Mal am Tag auch der Jacobite-Zug, also der Hogwarts-Express, rüber. Auch für Eisenbahnfans oder andere Landschaftsbegeisterten ist dies ein Spektakel, denn die Dampflock auf dem weißen Viadukt mit den hohen Bögen und die schottischen Highlands im Hintergrund sehen spektakulär aus.

Weiter ging es zur für uns zur Isle of Skye, die ebenfalls gute Wandermöglichkeiten bietet. Hier sollte man sich jedoch vorher informieren, wo man wandern möchte und entsprechend nahe liegende Unterkünfte buchen. Denn die Busse vor Ort fahren nur recht selten und einige Wanderwege sind auch wenig ausgeschildert. Es gibt super viel auf der Insel zu sehen, dafür sollte man sich vorher also einen guten Plan machen. Wir hatten uns auf eine ältere Karte verlassen und unser Wanderweg an der Küste entlang endete leider an einer steilen, rutschigen Felswand, sodass wir umdrehten. Um nicht den gleichen Weg zurückzulaufen, wollten wir über einen Hügel eine kleine Runde drehen. Dies führte jedoch dazu, dass wir teils bis fast zu den Knien in sumpfigen Boden versanken und durch kleine Gebüsche liefen und etwas zerkratzt und – mal wieder- mit klitschnassen Socken, Schuhen und Hosenbeinen wieder im Hostel ankamen. So wurde aus der als entspannt und idyllisch geplanten Wanderung ein kleines Abenteuer, das uns über unsere Frustgrenzen hinauswachsen lies.

Der Rest Schottlands war für uns wegen Starkregen und Überschwemmungen ebenfalls etwas anders als geplant. Wir besuchten Inverness, bei strömendem Regen und dem Fluss in seinem Flussbett auf Anschlag. Und auch Loch Ness sahen wir in strömendem Regen, dafür aber mit einem gigantischen und beeindruckenden Wasserfall „falls of Divash“. Busse und Züge fuhren wegen des Wetters nur unregelmäßig und so fiel unsere Wanderung im Carnygorms National Park im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser und wir mussten direkt mit SEV nach Edinburgh fahren.

Die Stadt Edinburgh hat uns auf viele verschiedene Weisen beeindruckt. Die schönen alten Gebäude, die spannende Geschichte, die schönen Klippen im Holyrood Park mit dem Arthur´s Seat sowie verschiedene kostenlose Museen.

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Aussicht auf Edinburgh aus dem Holyrood Park vom „Arthur´s Seat“ 

Unsere Reise endete in London mit einem kurzen Abstecher in das beeindruckende Cambridge, dass wir sehr empfehlen können und auch einen Besuch auf dem Turm der Great St. Mary Curch, von wo aus man einen tollen Blick auf die vielen historischen Gebäude, die meisten davon Colleges, hat.

Wir haben vermutlich in den zwei Reisewochen so oft einen Föhn benutzt, wie sonst in zwei Jahren nicht. Denn wir mussten einfach regelmäßig unsere Socken und Schuhe, die teils angeblich wasserdicht waren – nur angeblich leider, wieder trockenföhnen. Es war meist kalt und verregnet, gab oft keine Heizung und so trocknete einfach nichts von alleine. Doch auch das gehörte mit zum Irland-Schottland-Reiseerlebnis und meist konnten wir es mit Humor nehmen.

Wieso habt ihr euch für eine Reise ohne Flugzeug entschieden?

Schottland ist mit einer Fahrt über London oder per Fähre über die Niederlande recht leicht erreichbar. Aus unserer Sicht kann man sich den sehr emissionsstarken und klimaschädlichen Flug sparen und stattdessen Zug und Fähre nehmen. Auch dies ist schon Teil der Reise und kann sehr spannend, aber gleichzeitig auch erholend sein.

Was hat die Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht?

Vor allem die wunderschöne Landschaft, aber auch die abwechslungsreichen Möglichkeiten machten die Reise zu einem besonderen Erlebnis.

Wir wanderten an schönen Steilküsten, man kann Bootstouren machen, die schönen Städte und alten Burgen besichtigen und sich mit der spannenden Geschichte Schottlands und deren Relikten beschäftigen.

Während der Wanderungen aber auch aus den Zugfenstern konnten wir die sanften Hügel, die vielen Seen und Feuchtgebiete bestaunen und auch die herbstlichen Farben waren sehr schön.

Welche Herausforderungen hattest du bei deiner Reise?

Die einzige Herausforderung war das Wetter. Bei der Überfahrt zur Isle of Skype hatten wir Glück und bekamen die letzte Fähre, bevor wegen Sturm der Schiffsverkehr eingestellt wurde. Und vor allem die letzten Reisetage gab es so starken Regen und Überschwemmungen, dass viele Züge und Busse im Land nicht mehr fuhren. Ansonsten klappt Zugfahren in Schottland sehr gut. Es gibt jedoch recht wenig Züge bzw. ein wenig ausgebautes Schienennetz, sodass man zu vielen kleineren Orte nur mit Bussen oder mit dem Auto kommt.

Was würdest du anderen Leuten empfehlen, die ohne Flugzeug nach Schottland reisen wollen?

Nehmt euch die Zeit des extra Reisetages und macht es. Es ist sehr bequem machbar und Schottland ist ein sehr sehenswertes Land!

Wenn ihr vor Ort noch mehr rumreisen wollt, nehmt ein Interrail-Ticket. Das ist insgesamt meist günstiger und wenn ihr am Schalter die Sitzplätze reserviert, bekommt ihr sie meist umsonst.

Nützliche Tipps und Links für die Reisebuchung:

  • Interrail klappt sehr gut für Reisen nach und in Schottland und England
  • Teilweise sind vor Ort Busse besser, hier wird man durch kurze Recherchen jedoch schnell fündig
  • Interrail bietet auch Vergünstigungen für Fähren, Hostels etc. Diese vorher einmal durchgehen
  • Regenfeste Kleidung, aber auch Bücher etc. für Drinnen bei Regentagen
  • Schaut vor allem bei den Fähren, welche Anbieter es gibt und welche davon für euch passende Häfen und auch Fahrtzeiten haben! Von Belfast nach Cairnryan fahren z.B. zwei Anbieter zu jeweils verschiedenen Uhrzeiten
  • Einiges wie Museen muss man mehrere Wochen im Voraus buchen. Hier rechtzeitig buchen!
  • Für Menschen, die in Dorms/Mehrbettzimmer gehen, können wir in Edinburgh das a&o Hostel empfehlen