In Hamburg aufwachen, in Norwegen wieder einschlafen

Fernweh? Hier nimmt uns Linda mit an die Gletscher und Fjorde von Norwegen. Wir befinden uns mitten in der Reisezeit und wollen die Welt und ihre wunderbare Natur entdecken, doch wie können wir das gestalten, dass uns diese auch noch lange erhalten bleibt? Ein paar Anregungen und Inspirationen aus flugfreien Reisen.

steckbrief


Norwegen, das Land der Fjorde und Gletscher

Wieso hast du dich für eine Reise ohne Flugzeug entschieden?

Ich habe mich vor fast fünf Jahren dazu entschieden, innerhalb Europas nicht mehr zu fliegen, zunächst weil ich eigentlich sowieso nicht gerne fliege und die Umwelt schonen möchte. 2021 fuhr ich dann zum ersten Mal mit dem Interrailticket und dem Nachtzug. Am Zugfahren liebe ich, vor allem zu merken, wie ich vorankomme, zu sehen, wie sich die Landschaft langsam verändert und dass immer kleine Abenteuer auf mich warteten. So entschloss ich mich auch, meine Reise von Magdeburg nach Fjordnorwegen mit Zug, Bus und Schiff zu bestreiten. Ich konnte sogar meine Freundin überzeugen, die sich auf die lange Reise von Ulm nach Norwegen einließ.

Was hat die Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht?

Da es eine angenehme Regionalverbindung mit nur einem Umstieg gab, beschloss ich, schon abends von Magdeburg nach Hamburg zu fahren. Der Umstieg ist nur einmal am Hundertwasserbahnhof in Uelzen, bei dem es eine seltene kulinarische Besonderheit gibt: vegane Schokocroissants! Meinen Zwischenstopp in Hamburg verband ich mit dem Besuch einer Freundin, die ich lange nicht mehr gesehen hatte, um morgens früh den Groẞteil meiner Reise zu starten. Ich fuhr also in strömendem Regen in Hamburg los durch Dänemark, Schweden bis nach Norwegen und fand es wirklich schön, einfach aus dem Fenster zu schauen und die sich verändernde Landschaft zu beobachten.

photo1690959667_3
Ankunft in Oerneberget

Von Oslo ging es am nächsten Tag gegen 5:30 los nach Fjordnorwegen. Dabei fuhren wir in dem Zug nach Bergen. Ich wusste, dass der Zug auf dieser Strecke durch einen Gletscher fährt, machte mir da allerdings wenig Gedanken, wo das denn sein könnte. Da es in Oslo über 20 Grad waren, hatten wir leichte Kleidung an. Im Zug lasen wir dann die freundliche Einladungsmail von unserem Hostel, die uns ein paar Tipps gaben, wie wir unsere Zeit dort gestalten konnten, darunter auch: Mountainbiking am Gletscher in Finse. „Finse? Da müssen wir doch umsteigen?“ Und so kam es, dass wir in Sommerkleidung an einem Gletscher standen und uns trotz der Kälte nicht an der beeindruckenden Natur sattsehen konnten. An unserem Zielhalt angekommen, erwartete uns eine weitere Überraschung, nämlich der Abstieg von der Haltestelle zu unserem Hostel, das in einem wunderschönen Tal an einem Fluss gelegen war. Tatsächlich war das ein Bedarfshalt. Konkret bedeutet das, dass der Zug sehr langsam durch einen Tunnel fährt und man dann am Gleis stehen und winken muss. Wenn Personen dastehen, bremst der Zug und lässt einen mitfahren, sonst fährt er weiter.

Auch während unseres Urlaubs in Norwegen kamen wir insbesondere mit dem Bus gut voran, da der ÖPNV trotz der dünnen Besiedelung sehr gut ausgebaut ist. Einmal fuhr der Bus auch für uns überraschend auf eine Autofähre und wir konnten eine fünfminütige Fjordüberfahr genießen.

photo1690959667_5
Fjordüberfahrt

Auf der Rückfahrt fuhren wir von Sogndal, einer kleinen Stadt in Fjordnorwegen mit dem Schiff durch den Sognefjord nach Flam, was ein schöner Abschied vom Land der Fjorde war. Statt eine teure Fjordrundfahrt zu buchen, hatten wir uns dazu entschlossen, die Fahrt auf dem Wasser in unsere Rückreise einzubauen und konnten so unseren Urlaub mit Wind in den Haaren langsam ausklingen lassen. Dann fuhren wir mit der legendären Flambahn durch eine atemberaubende Landschaft von Bergen, Wäldern und Wasserfällen. An einem besonders schönen Wasserfall, dem Kjosfossen, hielt der Zug an und wir stiegen aus. Für einen kurzen Augenblick konnten wir die Tropfen in unseren Gesichtern spüren und einem mystischen Schauspiel beiwohnen. Mehr möchte ich dazu an dieser Stelle nicht sagen um die Überraschung zu erhalten. In Myrdal angekommen, mussten wir einige Stunden warten, da unser Zug erst um 1:20 kam. Myrdal kam uns schon sehr klein vor, aber in der Wartezeit stellten wir fest, dass Myrdal tatsächlich gar keine Einwohner*innen mehr hat. Meine Freundin nutzte die Wartezeit für eine mehrstündige Wanderung, während ich im Café Rallaren, dem Bahnhofscafé dem Treiben auf dem Bahnsteig zusah. Als das Café um 18:00 schloss, ging der Verkäufer zu allen Wartenden und verschenkte die restlichen Pfannkuchen und Sandwichs. Meine Freundin erreichte den Bahnhof wieder kurz bevor ein Regenschauer einsetze und konnte sich damit gleich von der Wanderung stärken. Wir spielten beim Warten ein Kartenspiel mit tiefgründigen Fragen, was zu sehr interessanten Gesprächen führte und das Warten (neben der Fußbodenheizung) erträglich machte.

Welche Herausforderungen hattest du bei deiner Reise?

Da der Urlaub eher kurzfristig geplant war und ich bei meiner vorherigen Reise nach Italien problemlos spontan einzelne Züge reservieren konnte, hatten wir uns viel zu spät um die Reservierungen gekümmert und es war teils herausfordernd, gute Zugverbindungen zu finden. Gerade in der Hauptreisezeit sollte man sich da schon einige Woche im Voraus darum kümmern.

Was würdest du anderen Leuten empfehlen, die nach Norwegen ohne Flugzeug reisen wollen?

  • Plant eine Schifffahrt durch einen Fjord in eure An- und Abreise direkt ein
  • Reserviert frühzeitig, wenn ihr im Sommer nach Norwegen fahren wollt
  • Reserviert direkt über die Websites der jeweiligen Zuggesellschaften (Schwedische Bahn: se und Norwegische Bahn: vy.no)
  • Falls euch in Norwegen online keine freien Plätze mehr angezeigt werden, könnt ihr auch per Telefon bei der norwegischen Bahn nachfragen und mit etwas Glück auch noch freie Plätze finden
  • Falls dennoch wirklich alle Plätze in Zügen ausgebucht sind, nutzt das gut ausgebaute Fernbusnetz. Das kostet zwar leider nochmal extra, aber ist eine gute Notlösung.

Ich habe die cliMATEs-App zum Vergleich genutzt, die Kilometer habe ich mit dem Trassenrechner der deutschen Bahn, Google Maps und ChatGDP berechnet. Man muss dazu aber auch sagen, dass ich mit dem Flugzeug eine andere Strecke geflogen bin und einige Aktivitäten, die Teil meiner An- und Abreise waren, ich vielleicht eher währenddessen gemacht hätte, die dann noch dazukommen würden (Fährfahrt, Flambahn), daher ist die Einsparnis eigentlich höher.

photo1690959667_2