Grit - Rhythmus im Blut?

Es ist jetzt schon einige Jahre her, da war ich mit Jane aus Kenia eng befreundet. Sie flüchtete in den 90iger Jahren mit ihrem damals 5 jährigen Sohn nach Deutschland, weil ihr Mann - Angehöriger einer Oppositionspartei – ermordet worden war.

Vielleicht weil ihr Sohn und meine Tochter fast gleichaltrig waren, freundeten wir uns miteinander an. Wir konnten uns auch gegenseitig viel unterstützen. Ich half ihr mit unserem Behördendeutsch oder ihrem Sohn später in der Schule bei den Hausaufgaben, sie half mir über die stressige Zeit mit meinem Zweitgeborenem zu kommen...

Ihr Junge konnte wunderbar irre tanzen, egal welche Musik gespielt wurde, er bewegte sich in einem tollen Tanzrhythmus dazu. Man schaute gerne hin. Der Junge hatte dadurch im Hort und auf vielen kleinen anderen städtischen Events öfter Auftritte. Einige Hort-Erzieherinnen und auch wir Eltern meinten immer wieder "bewundernd", dass muss in seinem Blut (Genen) liegen, etwas anderes konnten wir uns nicht vorstellen.

Erst Jahre später, durch die Beschäftigung mit dem Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ von Noah Sow wurde mir klar, dass solche Zuschreibungen absoluter Nonsens sind und zum allgegenwärtigen, alltäglichen Rassismus gehören. Auf die Idee, dass er einfach nur viel geübt haben oder ein besonders Talent haben könnte, bin ich damals nicht gekommen.

Heute lebt Jane mit ihrem inzwischen erwachsenen Sohn irgendwo in Berlin. Wir haben leider keinen Kontakt mehr miteinander. Sie ging damals nach Berlin, weil sie in unserer kleinen Provinzstadt öfters auf offener Straße angepöbelt wurde und sie Angst um ihren Sohn bekam. Sich mit dem Alltagsrassismus auseinanderzusetzen, hilft vielleicht auch betroffenen Mitmenschen von rechter Gewalt den Rücken zu stärken. Ich hoffe es...

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