Digital Storytelling in diversitätsbewusster internationaler Jugendarbeit

Geschichten erzählen – das machen wir Menschen schon seit langer Zeit. Und das aus gutem Grund: es hilft uns dabei, Erlebtes zu verarbeiten, im Austausch voneinander zu lernen und unser Wissen wie auch unsere Erfahrungen weiterzugeben. Ein Tool, das sich auch für die internationale Jugendarbeit nutzen lässt.

Jeder Mensch ist einzigartig und kann nicht anhand von Kriterien wie der Herkunft charakterisiert oder in eine Schublade beispielsweise mit anderen Menschen derselben Nationalität gesteckt werden. Dennoch sind viele Vorurteile in unserer Gesellschaft tief verwurzelt und sollten demnach bei internationaler Jugendarbeit in besonderer Weise thematisiert werden. Dies hat sich die diversitätsbewusste internationale Jugendarbeit zum Ziel gesetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, kann Digital Storytelling (DST) eine wertvolle Methode sein. Es nutzt die Vorteile des Geschichtenerzählens in einem digitalen Format und bietet teilnehmenden jungen Menschen eine Reflexionsmöglichkeit und schafft ein Bewusstsein für ihre Diversität sowie den Umgang damit.

Digital Storytelling (DST)

Beim DST geht es darum, Teilnehmende ihre eigene Geschichte erzählen und in einem kurzen Video von zwei bis drei Minuten Länge verarbeiten zu lassen. Die entstandenen Videos werden beispielsweise innerhalb der Jugendgruppe vorgestellt oder über Social Media geteilt. Sie regen so nicht nur die Teilnehmenden selbst an, sich beim Erstellen intensiv mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen, sondern bieten auch Zuschauer*innen die Möglichkeit zur (kritischen) Selbstreflexion.

Jugendliche sollen mithilfe von DST also ein Verständnis füreinander entwickeln und lernen, alle Menschen als einzigartig, trotz ihrer Differenzen aber immer als gleichwertig anzusehen. Zudem hat sich DST zum Ziel gesetzt, Respekt füreinander zu schaffen, internationale Solidarität zu stärken und so einen sensibleren Umgang miteinander zu fördern. Dies wird insbesondere dadurch ermöglicht, dass Digital Storys durch ihre persönliche Nähe die Zuschauer*innen auf einer tieferen, emotionalen Ebene erreichen.

Zugleich können Digital Storys den Erzählenden selbst als Empowerment dienen: Als niedrigschwelliges Angebot bietet es Teilnehmenden die Möglichkeit, durch das Erzählen ihrer Geschichte eine Stimme zu finden und zu erheben. Hierfür müssen sie sich mit wichtigen Schritten, Lernprozessen, Entscheidungen oder Wendepunkten in ihrem Leben beschäftigen. Häufig werden beim Betrachten der entstandenen Videos außerdem soziale Ungerechtigkeiten auf eine emotional mitnehmende Weise aufgezeigt – so lassen Digital Storys zum einen junge Menschen ihre eigenen Privilegien und Erfahrungen reflektieren und können zum anderen eine Politisierung fördern.

Einsatz in hybriden Formaten

In der internationalen Jugendarbeit eignet sich DST besonders bei pandemiebedingt hybrid stattfindenden Formaten. Die Teilnehmenden können sich durch ihre Geschichten auf eine Weise kennenlernen, die sonst in einem digitalen Format nicht möglich wäre, und eine besondere Verbindung untereinander herstellen. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen Credi ONG (Benin) und ASAN (Senegal) haben auch wir als Naturfreundejugend Deutschlands Digital Storys erstellt.

Materialien zum Thema digital storytelling

Digital Story Telling for a Global Partnership and a Sustainable Future

This handbook summarizes the experiences of young naturefriends from Senegal, Benin and Germany gathered in a joint project over the course of one and a half years.

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