Ehrenamt weltweit

Youssoupha Traore (Naturfreunde Senegal)

Deutschland ist voll mit Angeboten für freiwilliges Engagement, auch wenn diese nicht immer für alle gleichermaßen zugänglich sind. Viele begegnen den ehrenamtlich Engagierten mit Respekt und Hochachtung. Doch wie sieht es in anderen Ländern aus? Wir haben junge Menschen weltweit nach ihren Ansichten gefragt.

Fabien Heiniger, Schweiz:
"Arbeiten ohne etwas zu verdienen und mit sozialen, altruistischen [selbstlosen] Zielen."

So beschreibt Fabien ehrenamtliches Engagement. Laut ihm würden in der Schweiz Menschen jedes Alters Ehrenämter belegen, besonders aber junge Leute im Alter von 15 bis 30 Jahren. Die meisten Ehrenamtlichen sind in den Ferien aktiv. Sie helfen bei einem Skicamp oder einem Festival, die ein paar Tage bis maximal eine Woche lang sind. Sie werden zwar nicht politisch unterstützt, doch große Organisationen wie das Rote Kreuz betreuen und werben für diese Ehrenämter. Es besteht auch die Möglichkeit ein Freiwilliges Jahr zu machen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es jedoch kein Taschen- oder Wohngeld.

Das Ehrenamt ist in der Schweiz nicht hoch anerkannt. „Man hört nie jemanden sagen: ja, freiwillige Arbeit ist super, man soll es versuchen!” Dennoch gibt es viele Schweizer, die Geld für gemeinnützige Organisationen spenden.

Amir Wiesel, Israel: "Ehrenamt ist für mich, etwas für andere zu tun ohne selber Profite dadurch zu gewinnen."

In Israel engagieren sich alle möglichen Menschen ehrenamtlich. Ein Großteil sind aber Jugendliche um die 19 Jahre, die ein Freiwilliges Jahr machen. Dieses Freiwillige Jahr können sie nach der weiterführenden Schule absolvieren und so den verpflichtenden Dienst in der Armee ein Jahr nach hinten verschieben. „Ehrenamtliches Engagement wird von der Regierung unterstützt. Sie finanzieren einen Großteil des Freiwilligen Jahres und unterstützen teilweise auch Non-Profit-Organisationen”, sagt Amir. Die Meinung der Gesellschaft fasst Amir so zusammen: „Keiner sieht es als etwas schlechtes, aber nicht jeder überschüttet es mit Lob. Nicht jede*r empfindet es als wichtig, die meisten schon.“

Youssoupha Traore, Senegal: "Ehrenamt ist für mich, wenn eine Person aus freiem Willen heraus und ohne etwas dafür zu erwarten entscheidet, anderen zu helfen."

Im Senegal sind laut Youssoupha vor allem Personen mit akademischen Hintergrund ehrenamtlich aktiv. Dies liegt auch daran, weil die Nichtregierungsorganisationen häufig Personen mit Sprachkenntnissen in Englisch oder Französisch suchen. Ansonsten sieht er aber auch mal Einzelpersonen, die zum Beispiel Bäume gegen die Wüstenbildung pflanzen oder an den großen Straßen in Dakar stehen, um anderen über die Straßen zu helfen. Eine Unterstützung durch die Regierung gibt es aber leider nicht. Angebote wie ein Freiwilliges Jahr sind unbekannt. Ein Ehrenamt wird nur in der Freizeit ausgeübt. Für viele Senegalesen eine reine Zeitverschwendung, da das Geldverdienen oft notwendig ist. Doch das Ansehen von Ehrenämtern ändert sich in Youssouphas Augen. Vor allem junge Leute zeigen mehr und mehr Interesse.

[aus: ke:onda, Ausgabe 1/2019 "Heftig engagiert"]

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