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Methoden zum Abbau von Vorurteilen

Die Interkulturelle Pädagogik hat eine Vielzahl von Methoden zum Abbau von Vorurteilen entwickelt. Dabei setzt die Interkulturelle Pädagogik auf das Verstehen anderer Kulturen und neigt dazu, Unterschiede zu betonen oder Kulturunterschiede erst zu schaffen, in dem sie alles kulturalisiert. Wir lernen, dass die anderen "irgendwie anders sind", in ihrem anders sein aber irgendwie nett", weshalb wir sie akzeptieren sollten. Was wir nicht lernen, ist das verlernen von Unterschieden. Unter diesem Blickwinkel haben wir geeignete Methoden aus der Interkulturellen Pädagogik ausgewählt. Aus der Kritik an der interkulturellen Pädagogik finden sich aber auch zahlreiche Methoden, die zum Ziel haben, das Denken in den Kategorien "die" und "wir" zu verlernen.

Dabei kann es auf jeder Reise vorkommen, dass sich Cliquen bilden, die sich gegenseitig bekämpfen und dabei gerne auf verbreitete Vorurteile zurück greifen. Die Cliquengrenzen können dabei identisch sein mit Herkunftsgrenzen, sie müssen es aber nicht: Auf Jugendreisen kann es genauso vorkommen, dass "die Popper" gegen "die Punks" agieren oder "die GymnasiastInnen" mit "den HaupschülerInnen" überhaupt nicht klar kommen und "die Deutschen" "die Russen" nicht mögen. Methoden, die zum Ziel haben, Gruppen aufzubrechen, eignen sich deshalb nicht nur zur Mischung von MigrantInnengruppen, sondern zum Aufbrechen von Cliquen ganz allgemein.

Vorurteile erfüllen auch auf Jugendreisen ganz bestimmte Funktionen. Sie helfen zum einem, die Realität zu reduzieren. Sie werden aber dann problematisch, wenn Teilnehmende nicht mehr in der Lage sind, Vorurteile als solche zu erkennen und sie zu überdenken. Deshalb haben wir auch Methoden zusammen gestellt, die den Teilnehmenden latente Vorurteile ins Bewusstsein rufen und dazu anregen, sie zu überdenken. Vorurteile helfen Jugendlichen aber auch bei der Identitätssuche. Anders ausgedrückt: Wenn ich selbst noch nicht weiß, wer ich bin, ist es zumindest gut zu wissen, wer ich nicht sein möchte. Deshalb beinhaltet dieser Baustein Methoden, die Identifikationsmöglichkeiten jenseits von Kriterien wie "Nation" oder "Kultur" bieten (zum Beispiel "wir Jugendlichen" oder "wir, die Naturfreundejugend"). Vorurteile dienen aber auch der Abwärtsdefinition: Wenn ich selbst keinen Erfolg im Leben habe, tut es gut zu wissen, das andere noch weniger Erfolg haben oder an meinem Misserfolg "wenigstens schuld" sind. Besonders bei Reisen mit Gruppen, die tatsächlich mit MigrantInnengruppen um bestimmte Ressourcen konkurrieren, eignen sich Methoden aus der Kultur- und Erlebnispädagogik, die das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden stärken. Schließlich spiegeln Vorurteile auch reale Strukturen wieder. Wenn beispielweise an der Grenze die MigrantInnen in der Reisegruppe als einzige ihre Koffer aufmachen müssen, kann das bei Jugendlichen das Vorurteil hervorrufen "weil MigrantInnen krimineller sind als Deutsche, werden sie an der Grenze häufiger kontrolliert." Deshalb stellen wir auch Methoden vor, die Vorurteile und die dahinter liegenden Strukturen sichtbar machen. Schließlich sollen die Teilnehmenden von Jugendreisen lernen, ein Land und seine Bevölkerung nicht nur durch die TouristInnenbrille, sondern durch ganz verschiedene Brillen wahrzunehmen.Ein Beispiel: Auch wenn wir uns auf einer Reise nach Brasilien über Kokosnüsse, weiße Strände und Samba freuen, ist dies nur ein winziger Ausschnitt aus einem Land. Wie mag ein brasilianischer Student sein Land sehen? Wie ein Dienstmädchen? Pädagogisch ausgedrückt: Die Teilnehmenden sollen lernen, ihre eigene Sichtweise als eine unter vielen zu begreifen und eine "interkulturelle Kompetenz" entwickeln. Sie sollen für unterschiedliche Lebenswelten sensibilisiert werden und lernen, diese Unterschiede auszuhalten. Wenn Reisen dazu beitragen, dass Jugendliche ein Stück toleranter nach Deutschland zurück kommen, ist bereits viel gewonnen. Besonders wünschenswert wäre es, wenn sich diese Toleranz nicht nur auf die Bevölkerung im Reiseland bezieht, sondern auch auf die Bevölkerung in Deutschland (beispielsweise auf türkische, griechische, ukrainische MigrantInnen). Deshalb haben wir Methoden entwickelt, die diese Transferleistung unterstützen.Die Methoden dienen als Anregung für TeamerInnen, wie sie auf ihren Reisen Vorurteile bekämpfen bzw. ihre Entstehung verhindern können. Es ist kein Rezeptbuch nach dem Motto: "Wenn ich Vorurteil A bekämpfen möchte, verwende ich Methode B".

Im Gegenteil: Die Kunst ist nicht, eine Übung anzuwenden, sondern einer Situation entsprechend auszuwählen. Beispielsweise kann man in einer gut funktionierenden Gruppe Methoden anwenden, die Vorurteile explizit zum Thema haben. Wenn eine Gruppe jedoch zu Ausschließungsmechanismen tendiert, kann es besser sein, auf solche Methoden zu verzichten. Diese Übungen könnten den TeilnehmerInnen unter Umständen "Material" liefern, um Jugendliche in Außenseiterrollen zu hänseln.Übungen, die Migration und Fremdenfeindlichkeit zum Thema machen, sollten nur von erfahrenen TeamerInnen angewandt werden. Nichts könnte fataler sein, als wenn eine TeamerIn auf die Aussage "aber es sind doch zu viele AusländerInnen hier" nicht kompetent reagieren kann. Wir empfehlen deshalb dringend, parallel zu diesem Baustein Seminare zu besuchen bzw. interkulturelle Bausteine in die TeamerInnenschulung zu integrieren. IDA e.V. hat ein ReferentInnenverzeichnis und ein Trainingsverzeichnis herausgegeben, das Interessenten bei der Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen unterstützt. Um euch bei der Auswahl der Methoden zu unterstützen, sind sie nach Schwierigkeitsgrad sortiert.Wenn Spiele für "Reisen mit MigrantInnengruppen" geeignet sind, so haben diese Spiele meist zum Ziel, Kleingruppen und Cliquen aufzubrechen. Diese Spiele eignen sich generell für Reisen mit festen Cliquen. Denn: Vorurteile und Sticheleien können nicht nur zwischen Gruppen unterschiedlicher Herkunft entstehen, sondern auch zwischen Hip Hopern und Poppern, zwischen den "Ökos" und den "Tussis" etc.Damit die Reiseerfahrungen bei den Teilnehmenden nachhaltig wirken, empfehlen wir, ein Vor- und Nachbereitungstreffen zur Reise zu planen.Ein Koffer gegen Vorurteile

Hier geht's weiter:

Zu den einfachen Methoden

Zu den mittleren Methoden

Zu den schwierigen Methoden

Materialien zum Interkulturellen Lernen

Dieser Koffer gehört in jedes Reisegepäck: Er ist randvoll gefüllt mit Spielen und Spielmaterial zum Abbau von Vorurteilen auf Kinder- und Jugendreisen. In den Koffer haben wir Spiele gepackt, die: * TeamerInnen bei der Vor- und Nachbereitung einer Reise unterstützen,

Der Koffer gegen Vorurteilen kann gegen einen Unkostenbeitrag in der Bundesgeschäftsstelle der Naturfreundejugend Deutschlands entliehen werden.