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Dieser Atomausstieg ist noch lange keine Energierevolution

Berlin, 31. Mai 2011 – „Die größte Herausforderung in der Energiefrage ist nicht mangelndes Wissen, sondern unzureichendes Handeln“, erklärt der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller zur aktuellen Debatte über den Atomausstieg und die Energieversorgung der Zukunft. „Tatsächlich wird ein echter und zukunftsfähiger Umbau der Energiestrukturen nur möglich, wenn die heutige Verbundwirtschaft überwunden und beseitigt wird“, so Müller.

„Wer die aktuelle Debatte über den Atomausstieg aufmerksam verfolgt, der kann sich nur immer wieder fragen, ob eine Vielzahl der Kommentatoren in den letzten 20 Jahren auf einer anderen Welt gelebt hat. Es fehlt nur noch, dass sie beim Unionsfahrplan für den Atomausstieg in ihrer Uninformiertheit von einer Energierevolution reden. Alles, was derzeit in der Debatte ist, wird seit den 70er Jahren diskutiert und ist spätestens seit Ende der 80er Jahre gefestigt. Die größte Herausforderung in der Energiefrage ist nicht mangelndes Wissen, sondern unzureichendes Handeln“, wundert sich Michael Müller.

Die beiden eigentlichen Fragen würden hingegen nicht in der notwendigen Breite behandelt:

1. Warum ist es bis heute eigentlich nicht zu einer Effizienzrevolution gekommen?

2. Genügt es für eine solare Zukunft, die heutigen Energiestrukturen nur mit den erneuerbaren Energien zu verbinden?

In beiden Fragen komme laut Müller weder von der Bundesregierung, schon gar nicht von der Elektrizitätswirtschaft, aber auch nicht von großen Teilen der Medien, ein Anstoß für eine weiterführende Debatte. Tatsächlich werde ein echter und zukunftsfähiger Umbau der Energiestrukturen aber nur möglich, wenn die heutige Verbundwirtschaft überwunden und beseitigt würde.

„Denn mit dem zentralistischen Energiesystem ist eine Energierevolution nicht machbar: Weder werden so die großen Einsparpotenziale mobilisiert, noch der Raum für Innovationen geschaffen. Insofern bleiben alle energierelevanten Beschlüsse in den alten Strukturen und können keine echte und zukunftsfähige Lösung bilden“, erklärt Müller und gibt zwei Beispiele:

Erstes: „Sollte es bei den zentralisierten Energiestrukturen der Verbundwirtschaft bleiben, ist ein viel umfangreicherer Ausbau der 380-Kilovolt-Leitungen auf der Hochspannungsebene notwendig als bei dezentralen Strukturen. Dieser Ausbau ist nicht nur teuer, er trifft auch auf den Widerstand gerade jener Bürger, die eine Energiewende eigentlich befürworten. Ein dezentraler Umbau hingegen wäre auf diese gigantischen Investitionen nicht angewiesen.“

Zweites: „Gerne wird behauptet, die Vorteile der Atomenergie lägen in ihrer Klimafreundlichkeit. Doch die Fachdebatte stellt eine andere Frage: Unter welchen Bedingungen können die meisten Kohlendioxid-Emissionen vermieden werden. Das expansive System der Verbundwirtschaft kann auch das nur begrenzt, denn die reinen Kondensationskraftwerke sind auf den Verkauf und die Verschwendung von Strom ausgerichtet und nicht das Energiesparen. Allein schon diese Strukturen fördern unnötige Kohlendioxid-Emissionen, zudem erreichen sie nur niedrige Effizienzgrade.“

Das Energiesystem der Zukunft müsse laut Michael Müller dezentral und flexibel sein. Das funktioniere nur über den Umbau der heutigen Großsysteme zu intelligenten und dezentralen Technologien und Strukturen. Dieser Umbau sei dringend geboten, auch wenn diese Einsicht bei der Bundesregierung noch nicht angekommen sei.

Friedliche Blockade des AKW Brokdorf 

Die NaturFreunde Deutschlands unterstützen die ab dem 12. Juni von x-tausendmal quer geplante gewaltfreie Blockade des AKW Brokdorf und beteiligen sich daran. Wir werden nicht locker lassen, bis auch der letzte Reaktor endgültig vom Netz gegangen ist!

Weiterführende Links

www.kurzlink.de/AKW-Blockade

Schlagworte: Klimaschutz, Jugendbeteiligung, Jugendpolitik