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Viel.Entfalten.

Viel.Entfalten.

Die Kinder- und Jugendhilfe hat die Aufgabe, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern. Im Fokus steht hierbei die Förderung der individuellen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und in diesem Zusammenhang auch das Bewahren vor und der Abbau von Benachteiligung.

Diversität – zentrale Herausforderung der Kinder- und Jugendhilfe

Dem Projekt liegt die Annahme zu Grunde, dass die Kinder- und Jugendhilfe derzeit Gefahr läuft, den Diversitätsanforderungen ihrer Klienten in Zukunft nicht mehr in allen Belangen gerecht werden zu können und so ihren in § 1 des VIII Sozialgesetzbuches festgehaltenen Aufgaben nicht mehr hinreichend nachkommen kann.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden gesellschaftlichen Differenzierung, steht die Kinder- und Jugendhilfe bei der Erfüllung dieser Aufgaben vor neuen Herausforderungen.

Rechtliche Grundlagen in Form von EU-Richtlinien und/oder Bundesgesetzen, Grenzöffnung, Arbeitsmigration und weltweite Fluchtbewegung, die Entpathologisierung sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, die Verabschiedung der UN-Konventionen über die Rechte von Menschen mit Behinderung und die Erfolge der Frauenbewegung haben dazu beigetragen, dass gesellschaftliche Diversität heute sichtbarer ist als noch vor wenigen Jahren. Diese Sichtbarkeit bringt auch die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Diversität mit sich – hier als Diversitätsanforderung beschrieben. Diese Auseinandersetzung zeigt sich derzeit etwa in der Neugestaltung von Rahmenrichtlinien in Lehrplänen (sexuelle Vielfalt im Unterricht), der Umstrukturierung vom gegliederten zu einem zunehmend ungegliederten Schulsystem, der Implementierung neuer pädagogischer Konzepte in Kindertagesstätten (Einzelintegrationshilfen gem. § 35a SGB VIII sollen zukünftig die absolute Ausnahme darstellen etc.

Diese Entwicklungen sind als positiv zu bewerten, zeigen sie doch, dass hier der grundsätzliche Wille besteht, sich mit der bestehenden Vielfalt an Lebensstilen und Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen auseinander zu setzen.

Zeitgleich rufen gesellschaftliche Vielfalt und die damit zusammenhängenden Diversitätsanforderungen, die an jedes einzelne Individuum – also auch an Kinder- und Jugendliche, in Alltag, Beruf/Schule und Freizeit herangetragen werden – aber nicht nur positive Reaktionen hervor. Das zeigt die Langzeitstudie (2002 – 2012) zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld leider nur allzu deutlich. Die Abwertung und Diskriminierung von schwachen Gruppen, wie z.B. Migranten, Arme, Muslime, Behinderte, Homosexuelle, sind in Deutschland allgegenwärtig, also keinesfalls Kennzeichen einer randständigen, rechtspolitisch-orientierten Minderheit (Heitmeyer, 2012). Die seit 2006 im Zweijahresrhythmus von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen „Mitte“-Studien“ kommen zu einem ganz ähnlichen Ergebnis und weisen außerdem darauf hin, dass in allen Bevölkerungsschichten ein deutlicher Anstieg von rechtsextremen Einstellungen zu erkennen ist.

Kinder und Jugendliche müssen im Rahmen dieser Studien mitgedacht werden. Und zwar zum einen als Ausgeschlossene und Diskriminierte, sofern sie einer sogenannten schwachen Gruppe (Heitmeyer, 2002) angehören, zum anderen aber auch als Diskriminierende, sofern sie sich als Zugehörige der Mehrheitsgesellschaft empfinden. Es besteht hier also zweierlei Handlungsbedarf: Erstens der Schutz vor Diskriminierung, um die individuelle und soziale Entwicklung (gemäß § 1 Abs.3, XIII SGB) von Kindern und Jugendlichen, die zu sogenannten schwachen Gruppen gehören, zu gewährleisten. Zweitens ein damit zusammenhängender Bildungsauftrag, der sich an Kinder und Jugendliche richtet, die sich der Mehrheitsgesellschaft als zugehörig empfinden und aus dieser (Macht-)Position heraus handeln. Hier steht die Förderung der Entwicklung zu selbstverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten im Vordergrund.

Zielsetzung und Inhalt des geplanten Projektes


Ziel des hier vorgestellten Projektes ist es, einen Beitrag zur nachhaltigen Implementierung des Diversitäts-Ansatzes in der Kinder- und Jugendhilfe zu leisten und Konzepte zu entwickeln, die zur Förderung der Diversitäts-Kompetenz innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe geeignet sind. Hierfür werden eine Seminarreihe sowie dazugehörende Materialien, Übungen und Methoden zur Erhöhung der Diversitäts-Kompetenz entwickelt, exemplarisch erprobt und über die Verbandsgrenzen hinaus verbreitet. Im Rahmen des Projektes werden Diversitäts-Expert*innen ausgebildet.

Mitmachen

Arbeitsgruppe: Monatliche Treffen, Skype-Konferenzen
Grundlagenseminar: Diversität für Haupt- und Ehrenamtliche ab September 2015
Praxisphase: Sommer 2016 Jugendreise, Freizeit mit dem Thema Diversität, medienpädagogisch begleitet, Partnerorganisationen besuchen, ins Gespräch kommen
Abschluss: Frühjahr 2017 – Ergebnisse, Erfahrungen zusammentragen

Viel.Entfalten. wird gefördert durch:
Projektlaufzeit: 24 Monate ab Mai 2015

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