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Zukunftsdialog

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Inklusion und Integration in der Kinder- und Jugendarbeit? Was können und wollen junge Menschen, neben Schule und Ausbildung, überhaupt noch leisten? Wie gehen wir mit kulturellen und sprachlichen Hürden um? Was bedeutet eine immer älter werdende Gesellschaft für die Jugendlichen, die in ihr leben? Dies sind einige von vielen Leitfragen des Projektes „Zukunftsdialog – Inklusion und soziale Teilhabe in der außerschulischen Jugendbildungsarbeit“.

Ausgangssituation

Eine individualisierte, mobilitätsaffine, älterwerdende Einwanderungsgesellschaft stellt die außerschulische Jugendbildungsarbeit vor neue Herausforderungen. Die Frage nach der Machbarkeit von sozialer Teilhabe und politischer Partizipation für Jugendliche und junge Erwachsene ist zwar die gleiche geblieben, sie muss aber in einen neuen Kontext gestellt, verstanden und auch bearbeitet werden.

Soziale Inklusion
Das Klientel der Jugendumweltverbände rekrutiert sich in den meisten Fällen aus einem grünen Bildungsbürge*innentum. Der Anspruch, auch sozial Schwächere mit einzubinden, wird meist nicht erfüllt. Doch gerade Jugendliche aus sozial schwachen Familien und bildungsfernem Hintergrund können von außerschulischer Bildung und Jugendverbandsarbeit besonders profitieren. Finden in der Schule zumeist Ausgrenzungen statt, kann jugendpolitische Arbeit nötige Freiräume schaffen, um resignierte Jugendliche wieder für Bildung und Engagement zu begeistern. Doch dies ist nur ein Beispiel von Diskriminierung und notwendiger Inklusion. Auch die Barrieren für Menschen mit Behinderungen spielen hierbei eine Rolle. Die Herausforderung für Jugendumweltverbände besteht in der Frage, wie Zugangsbarrieren abgebaut werden können und Attraktivität außerhalb der traditionellen Milieus der eigenen Mitglieder hergestellt werden kann.

Verzweckung

Durch die Bologna-Reformen, die bundesweite Durchsetzung des achtjährigen Gymnasiums und anderen institutionellen Maßnahmen ist die Jugendzeit für junge Menschen immer weiter verkürzt worden. Zunehmend sind junge Menschen schon früh mit Erwartungen und Anforderungen konfrontiert, die Freizeit und im Besonderen Zeit für ehrenamtliches Engagement schrumpfen lassen. Die wachsende Norm der Verzweckung verlangt, die eigene Lebenszeit vor allem ökonomischen Zwängen zu unterwerfen und sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der Lebenslauf und die Vermarktung des eigenen Selbst stehen zunehmend im Vordergrund. Für Jugendverbände stellt sich die Frage, wie junge Menschen in solchen Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliche Teilhabe gewonnen werden können und welche politischen Strategien gegen diese Entwicklungen wirken können.

Interkulturelle Öffnung
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Nach einer späten Anerkennung dieser Tatsache durch die politischen Eliten existieren in der hiesigen Gesellschaft immer noch Rassismus und Rechtsextremismus. Auch in den letzten zwei Jahren hat sich abgezeichnet, dass solche Ansichten wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen und salonfähig geworden sind. Die Mitgliederstruktur der Jugendverbände entspricht in den meisten Fällen, abgesehen von Migrant*innenselbstorganisationen wenig dem tatsächlichen Querschnitt der Gesellschaft. Verstehen sich die Verbände allerdings als Lobbyverband für junge Menschen, verlangt diese Aufgabe nach mehr Heterogenität. Wie können sich die Verbände stärker für andere Kulturen öffnen? Kultur sollte allerdings nicht als nationales Konzept verstanden werden, sondern meint ein generelles Denken und Handeln. Somit kann interkulturelle Öffnung auch eine Reflektion der eigenen Zielgruppe sein und ein kritisches Hinterfragen verbandlicher Diskriminierungen bedeuten.

Demographischer Wandel
Die deutsche Gesellschaft wird immer älter, die Gruppe der jungen Menschen schrumpft. Gleichzeitig führen Wanderungsbewegungen in vielen Teilen Deutschlands zu entvölkerten Regionen. Beide Phänomene sind dem Demographischen Wandel zuzuordnen. Beide Phänomene stellen eine Herausforderung für Jugendverbände dar. Einerseits bedeutet die Verschiebung der Bevölkerungsstruktur, dass sich Jugendverbände vermehrt für die Interessen junger Menschen einsetzen müssen, wenn sich die Interessenmacht entsprechend den Bevölkerungsanteilen verschiebt. Nur eine kinder- und jugendfreundlichen Gesellschaft kann nachhaltig existieren. Sie muss sich um ihre Zukunft kümmern. Andererseits führen die Wanderungsbewegungen vor allem in ländlichen Regionen der neuen Bundesländer zu schrumpfender Infrastruktur und Jugendkultur und lässt die Jugendlichen ohne Perspektive zurück. Dies bietet außerdem ausgezeichneten Nährboden für rechtes Gedankengut und rechte Organisationen.

Diese vier Themen müssen hierbei zunehmend in den Fokus der außerschulischen Jugendbildungsarbeit rücken. Geschieht dies nicht, läuft die Jugendverbandsarbeit Gefahr, ihren eigenen Ansprüchen zukünftig nicht mehr gerecht zu werden und an einem Großteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorbei zu agieren.


Ziele

Das Projekt soll dazu beitragen, die Beteiligung junger Menschen an aktuellen jugendpolitischen Herausforderungen zu forcieren und das entsprechende Wissen zu vermitteln. Jugendliche und junge Erwachsene sollen dabei in die Lage versetzt werden, sich eigene Positionen zu jugendpolitischen Debatten zu erarbeiten und diese in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.


Methoden


Innerhalb des Projektes sind zunächst vier Workshops geplant. In den Workshops werden grundlegende Fragestellungen erarbeitet sowie die bisherigen Erfahrungen und Perspektiven der TeilnehmerInnen auf die oben genannten Schwerpunktthemen beleuchtet. Im Anschluss wird im Sinne des Best-Practice-Ansatz eine Veranstaltung, Maßnahme oder ein Projekt besucht, die/das sich bereits mit einem der vier Themen auseinandersetzt. Ausgehend davon werden in einem nachgelagerten Arbeitsprozess erste Lösungsstrategien  erarbeitet. Die Ergebnisse des gesamten Prozesses werden auf dem Abschlusstreffen diskutiert und in konkrete Handlungsempfehlungen für die außerschulische Jugendbildungsarbeit transformiert.

Projektzeitraum

Das Projekt läuft vom 01.01.2013 - 31.12.2013

Förderer

Das Projekt wird gefördert durch "Jugend in Aktion"

Ansprechpartner_in

Lukas Nicolaisen


 

Bild: photocase/Franziska Fiolka