
Gute Gründe für ein Grundeinkommen
Wagen wir eine Utopie: Stellen wir uns einmal vor, dass Arbeit mehr als nur ein notwendiges Übel sei, um sich die Brötchen am Frühstückstisch zu leisten. Stellen wir uns einmal vor, dass jeder Mensch im Leben etwas erreichen möchte, im Großen wie im Kleinen. Stellen wir uns vor, Arbeit ist Identitätsstifter, Lebensinhalt, Kontaktbörse und natürlich auch Einkommensquelle zugleich. Stellen wir uns zugleich vor, Menschen sind bereit, sich an ihrem Arbeitsplatz anzustrengen, ohne für jeden Extrahandschlag gleich einen Extrabonus zu erwarten. Eine Utopie? Nein, Ergebnisse der Verhaltensökonomie.
Gleichzeitig beobachten wir, wie rund 3,5 Millionen Menschen in Deutschland keine Arbeit finden, wie 2,5 Millionen Kinder von Armut betroffen sind, wie immer mehr Menschen im Niedriglohnsektor so wenig Geld bekommen, dass der Staat Aufstockungsleistungen leisten muss.
Kinder sind die am stärksten von Armut betroffene Bevölkerungsgruppe. Materielle und finanzielle Benachteiligungen sind häufig verknüpft mit Diskriminierungen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Mobilität sowie soziale und politische Teilhabe. Obwohl diese Missstände seit Jahren bekannt sind, haben sich die Verhältnisse nicht verbessert. Im Gegenteil: In Deutschland ist alleine seit der Wiedervereinigung die soziale Ungleichheit in der Einkommensverteilung um 30 % gestiegen. Einkommensunterschiede, wie sie derzeit in den Industriestaaten zu finden sind, gelten als Zwei-Klassen-Ökonomien. Und diese sind typisch für Entwicklungsländer.
Sogar Alan Greenspan, langjähriger Notenbanker der USA und einer der Zirkusdirek-toren des Kapitalismus, bemerkte 2007, dass die entstandenen Ungleichheiten zu wirtschaftlichen Umbrüchen und sozialen Spannungen führen werden.
Es ist also an der Zeit, der Wirklichkeit ins Auge zu blicken. Wer eine gerechte Gesellschaft gestalten will, muss zwei Dinge leisten: Gesellschaftlicher Reichtum muss umverteilt und gesellschaftliche Partizipation vom Einkommen entkoppelt werden. Wer sich um die Würde von Kindern, Jugendlichen, Geringverdienern und Arbeitslo-sen sorgt, sollte sie in die Lage versetzen, ein menschenwürdiges Leben führen zu können!
Zum Beispiel durch eine Grundsicherung. Schaffen wir die Renten- und Arbeitslosenversicherung ab. Im Gegenzug erhält jedeR eine monatliche Zahlung in Höhe von, sagen wir, 800 Euro. Finanziert aus Steuergeldern, nämlich einem Zuschlag auf die Einkommensteuer. Die Höhe des Betrages ist im Moment nicht entscheidend, es könnten beispielsweise auch 600 oder 1.000 Euro sein. Entscheidend ist die Idee: Der Sozialstaat würde nicht mehr allein von den ArbeitnehmerInnen getragen, sondern alle Einkommensarten wären in die Finanzierung einbezogen. Das hätte folgende Konsequenz: Du wirst immer mindestens auf Höhe des Existenzminimums abgesichert sein, deine Ersparnisse werden nicht angetastet und du wirst nicht zum Sozialfall stigmatisiert, wenn du einmal arbeitslos wirst. Die Grundsicherung soll kein Ruhekissen sein, auf dem man den Tag verträumt und dem Müßiggang bis ans Lebensende frönt. Nein, sie soll wie ein Trampolin wirken, das beim Fallen abfedert, Schwung für Neues und Mut zum Ausprobieren gibt.
Downloads
Schlagworte: Armut, Gerechtigkeit, Utopie
Die nächsten Termine
04.02.2012 – 11.02.2012
Interkulturell Unterwegs
10.02.2012 – 12.02.2012
Capture your Life!
11.02.2012 – 11.02.2012
Digital Storytelling - Vorbereitung
alle Termine


