
Kinderarmut verhindern
Die Armut bezieht sich aber nicht nur auf die ökonomischen Verhältnisse, sondern ist immer mehrdimensional. Kinder, die in Armut leben, haben oft eine schlechtere Gesundheit und sind körperlich zurück geblieben. Sie leben häufig in beengten Wohnsituationen und vernachlässigten Stadteilen. Arme Kinder haben schlechtere Bildungschancen, sie erleben in der Schule Ausgrenzung und Benachteiligung, was in niedrigen Schul- und Berufsabschlüssen mündet. Auch kulturell stehen arme Kinder häufig am Rande der Gesellschaft. Sie können sich die Mitgliedschaft in Vereinen oder Aktivitäten, wie z.B. Kinobesuche nicht leisten. Weil sie bei den normalen kindlichen Aktivitäten wie z.B. gegenseitiger Besuch zu Hause zum gemeinsamen Spielen, Geburtstag feiern, nicht mithalten können, haben sie häufig keine oder weniger Freunde und sind somit auch sozial ausgegrenzt. Armut schränkt Kinder schon früh vielseitig ein und lässt sie die Erfahrung machen, gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein.
Teufelskreis der Benachteiligung
Einkommensarmut führt somit zu einer Armut an Chancen und bedeutet nicht nur die Einschränkung gegenwärtiger Handlungsspielräume, sondern auch die Begrenzung künftiger Entwicklungschancen. Je länger die Armut dauert, desto gravierender werden die Folgen für die Betroffenen. Auf diese Weise werden arme Kinder zu armen Erwachsenen, deren Kinder wiederum ausgegrenzt sind. Nicht nur die PISA-Studie hat gezeigt: Armut und schlechte Bildungschancen „vererben“ sich von einer Generation auf die nächste. Dadurch wird Ungleichheit gesellschaftlich immer wieder reproduziert. Dieser Teufelskreis aus Benachteiligung und Ausgrenzung muss durchbrochen werden.
Die steigende Zahl von Kindern, die in Armut groß werden, ist in einem wohlhabenden Land wie Deutschland, in dem es eine steigende Zahl von Einkommensmillionären und ein privates Nettovermögen von über sieben Billionen Euro gibt, inakzeptabel und führt zu verheerenden Folgen für die gesamte Gesellschaft. Das Problem der Kinderarmut kann ohne eine Erhöhung der finanziellen Aufwendungen des Staates nicht aufgefangen werden. Es müssen die elterlichen Ressourcen gestärkt, die institutionellen Rahmenbedingungen verbessert und das Bewusstsein aller, für das Aufwachsen von Kindern mitverantwortlich zu sein, gefördert werden.
In Bildung investieren
Für die Naturfreundejugend Deutschlands ist Bildung der zentrale Ansatzpunkt zur Bekämpfung von Armut. Arme Kinder müssen bereits vor der Einschulung gefördert werden. Das Angebot an Kindertageseinrichtungen muss massiv ausgebaut werden. Die Einrichtungen müssen personell und sachlich so ausgestattet werden, dass sie ihrem Bildungsauftrag gerecht werden können. Insbesondere die Betreuung der unter 3-Jährigen muss ausgebaut werden, damit Kinder aus armen Familien verbesserte Startchancen bekommen. Der Rechtanspruch auf einen Betreuungsplatz muss ab dem zweiten Lebensjahr sichergestellt werden. Da die Fördermöglichkeiten, die die Kinderbetreuungseinrichtungen bieten, nicht an Elternbeiträgen scheitern dürfen, fordern wir die Abschaffung der Kostenbeteiligung durch die Eltern und den verbindlichen Besuch der Einrichtungen ab dem vollendeten dritten Lebensjahr.
Bedingungsloses Grundeinkommen für Kinder und Familien
Arme Familien brauchen eine umfassende Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen. Daher muss es eine gesicherte öffentliche Finanzierung von Hilfsangeboten für arme Familien geben. Zusätzlich muss die finanzielle Situation der Kinder auch direkt verbessert werden, z.B. durch die Erhöhung und Umstrukturierung der Erbschaftsteuer und die Abschaffung des Ehegattensplittings zu Gunsten eines allgemeinen bedingungslosen Grundeinkommens für Kinder und ihre Familien.
Projekte
Kinder aus armen und benachteiligten Familien dürfen nicht von Freizeitangeboten ausgeschlossen werden. In unserer Broschüre „Reisen für alle!“ haben wir Tipps zusammengestellt, wie ihnen die Teilnahme an reisen und Freizeiten ermöglicht werden kann.
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Schlagworte: Armut, Kinderrechte
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