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Anmerkungen zum Pressespiegel - Kindergipfel 2016

Der Kindergipfel 2016 mit dem Motto „Was denkst du, wenn du an Afrika denkst“ war in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. Insgesamt sind 60 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland der Einladung der Naturfreundejugend gefolgt und nach Frankfurt am Main gekommen. Hier haben sie sich vier Tage lang mit unterschiedlichen Aspekten der europäisch-afrikanischen Zusammenarbeit beschäftigt und am Ende mit Politiker*innen und NGO-Mitarbeiter*innen über offene Fragen, Ideen und Wünsche diskutiert. Im Rahmen der Diskussionen wurde deutlich, dass die Teilnehmer*innen des Kindergipfels viel dazugelernt haben und zum Teil in der Lage sind, Klischees, Vorurteile und Halbwissen über afrikanische Länder zu erkennen und auch zu benennen.

Die Naturfreundejugend Deutschlands hat sich darüber gefreut, dass der Kindegipfel medial wahrgenommen wurde und es im Verlauf der vier Tage immer wieder wohlwollende Artikel über den Kindergipfel gab. Allerdings bleibt leider festzuhalten, dass die Berichterstattung in vielen Fällen eben gerade die „Afrikabilder“ durch Bild und Sprache reproduziert hat, die der Kindergipfel aufweichen wollte. Zum Teil wurden rassistische Begrifflichkeiten verwendet oder koloniale Logiken verfolgt. Da diese Berichterstattung nicht im Sinne der Naturfreundejugend Deutschlands ist und dem Ziel des Kindergipfels zuwider läuft, möchten wir die Abschnitte hier benennen und aufzeigen, was aus unserer Sicht an diesen zu kritisieren ist.

1. Wilczok, Karina: Verantwortung für Afrika, Kindergipfel für eine gerechte Welt/Export von Gemüse nach Europa ist ein Thema, in Frankfurter Rundschau, 2016, Nr. 121, S. F6


Die Überschrift des Artikels "Verantwortung für Afrika" folgt einer kolonialistischen Logik. Verantwortung wird in der Regel von jemandem übernommen, der aufgrund seiner Stellung, seines Intellekts oder seiner geistigen Reife jemand anderem überlegen ist. Oder anders: Verantwortung wird für jemanden übernommen, der nicht in der Lage ist, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen – so eine Konstellation findet man häufig im Verhältnis von Eltern und deren Kinder vor. Diese Betrachtungsweise folgt einer rassistisch-kolonialistischen Logik, die besagt, dass Europa (weiße Europäer*innen) aufgeklärt, entwickelt und vernünftig, Afrika (schwarze Afrikaner*innen) hingegen unaufgeklärt, rückständig und nicht Vernunft begabt ist. Diese Betrachtungsweise lehnen der Kindergipfel und die Naturfreundejugend Deutschlands ab.


2. Schmidt, Thomas: Kinder beraten die Zukunft, Afrika ist das Thema beim Kindergipfel der Naturfreunde, in Frankfurter Neue Presse, 27.05.2016, S.15


Im Artikel heißt es: Bis Sonntag beraten sie im Weltkulturenmuseum über Afrika. Diese Beschreibung folgt einer kolonialistischen Logik. Der Naturfreundejugend Deutschlands und dem Kindergipfel 2016 ist es wichtig, folgendes richtig zu stellen: Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen haben nicht „über Afrika beraten“. Die Teilnehmer*innen des Kindergipfels haben sich Wissen über bestimmte Themenfelder und unterschiedliche afrikanische Länder mit Hilfe von Referent*innen angeeignet und erfahren, welche politischen, historischen und ökonomischen Verknüpfungen zwischen Deutschland/Europa und unterschiedlichen afrikanischen Ländern bestehen. Die in dem Artikel getroffene Aussage "Kinder beraten über Afrika" folgt einer kolonialistischen Logik, die davon ausgeht, dass europäische Menschen, egal welchen Alters, welcher Bildung und welchen sozialen Status´ in der Lage sind, als Expert*innen über Afrika zu sprechen. Diese Logik lehnen der Kindergipfel und die Naturfreundejugend Deutschlands ab.


3. Jackwerth, Anne: Der Gipfel der klugen Kinder, in BILD Frankfurt, 28.05.2016, S. 4/5


Für den Artikel wurden vier Kinder des Kinderrates interviewt. Die Kinder wurden im Rahmen des Artikels mit einem Bild und einer kurzen Bildunterschrift portraitiert. In diesem Zusammenhang muss kritisiert werden, dass nur bei den beiden schwarzen Kindern Herkunft und kritische Lebensereignisse (Armut, Krieg, Flucht) zur Sprache kommen. Die Bildunterschriften der beiden weißen Kinder fokussieren hingegen auf Erwartungen an den Kindergipfel und drücken politisches Interesse aus. Die Anordnung der weißen und schwarzen Kinder ist zudem in Leserichtung (also von links nach rechts) so, dass die weißen Kinder zuerst und die schwarzen erst danach „gelesen“ werden. Dieser Eindruck verschärft sich noch dadurch, dass die Abbildungen der schwarzen Kinder kleiner und leicht versetzt unterhalb der Abbildungen der weißen Kinder angeordnet wurden.
Die Portraits reproduzieren stereotype Afrikabilder (Armut und Krieg). Die Angabe der Herkunft (bei den schwarzen Kindern) folgt zudem einer rassistischen Logik, die besagt, dass nur nicht-weiße Kinder eine erklärungsbedürftige Herkunft haben. Die bildliche Darstellung von rechts nach links und von oben nach unten setzt die Kontinuität von kolonialistischen Bildern fort.

Diese Kritik bezieht sich zum Teil auf die Printausgabe und nicht auf die hier verlinkte Online-Ausagbe. Die Online-Ausgabe hat eine abweichende Text-Bild-Komposition.


4. Scheer, Olga: Wilde Löwen, arme Leute, Von Afrika haben viele ein einfaches Bild. Der Kindergipfel will das ändern, in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2016, Nr. 122, S. 54


Die Überschrift „Wilde Löwen, arme Leute“ des Artikels wird zwar durch die Unterüberschrift „Von Afrika haben viele ein einfaches Bild. Der Kindergipfel will das ändern“ vermeintlich gebrochen, problematisch sind dabei allerdings die Dreifarbigkeit der Überschrift selbst sowie die Bildsprache und der Schluss des Artikels. Alle diese Elemente reproduzieren ein stereotypes Afrikabild.

Die Dreifarbigkeit der Überschrift (Tiere und arme in schwarz, Wilde und Leute in grün und orange) lässt auch die Leseart „Wilde Leute“ zu und reiht sich damit in eine kolonialistisch-rassistische Logik ein, wonach „Afrikaner*innen“ ungezähmt, gefährlich und naturnah, Europäer*innen hingegen zivilisiert und modern sind. Das Bildmaterial stammt größtenteils aus dem Workshop, der sich mit „afrikanischer Musik“ beschäftigt hat. Die Bilder erzeugen den Eindruck, als hätten die Teilnehmer*innen dieses Workshops hauptsächlich getrommelt und getanzt und knüpfen damit an stereotype Afrikabilder an. Die Kinder haben sich in diesem Workshop kritisch mit dem Bild von „afrikanischer Musik“ auseinandergesetzt und sich mit Hilfe eines Referenten mit Kora, Afrobeat, HipHop, Taraab und Kwaito beschäftigt. Anschließend haben sie ein eigenes Musikstück produziert, das Elemente der unterschiedlichen Musikstile aufgreift, inhaltlich aber vor allem eine Auseinandersetzung mit Musik als Widerstandselement betreibt.
Am Schluss des Artikels werden zwei Kinder und deren Zukunftswünsche vorgestellt. Ein Kind möchte sich um verwaiste Tiere in „Afrika“ kümmern, ein anderes will Arzt werden, um Menschen zu helfen. Die textliche Nähe beider Abschnitte suggeriert, dass die medizinische Hilfe „in Afrika“ betrieben werden soll und dass „afrikanischen Tieren“ und „afrikanischen Menschen“ helfen gleichzusetzen ist. Diese rassistisch-kolonialistische Kontinuität lehnen der Kindergipfel und die Naturfreundejugend Deutschlands ab.

Der oben zitierte Artikel ist nicht als Online-Ausgabe verfügbar.


5. Wilczok, Karina, Kinder fordern Gerechtigkeit für Afrika, in Frankfurter Rundschau Online, 28.05.2016
Der Artikel verwendet den Begriff „schwarzer Kontinent“. Der Kindergipfel und die Naturfreundejugend Deutschlands lehnen diesen Begriff ab. Es ist ein kolonialisti-scher Begriff. Zudem beruht der Begriff auf einem rassistischen Konzept - nämlich der Einteilung der Welt und seiner Bewohner*innen nach einer angeblichen Gemeinsam-keit, der Hautfarbe. Wir sagen ja auch nicht "weißer Kontinent" oder "Weißeuropa" wenn wir von Europa oder bestimmten Teilen Europas sprechen
 

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Anmerkungen zum Pressespiegel (0.27 MB)