Home | Impressum | Kontakt

Dass Auschwitz nie wieder sei! Gegen des Vergessen der faschistischen Gräueltaten

„Wir alle müssen uns erinnern, denn wenn ihr, die verantwortlichen Politiker in aller Welt, euch erinnert und diese Erinnerung anderen vermittelt, dann wird der Holocaust, dann werden andere Gräueltaten wie Darfur, Biafra, Kosovo und andere Übergriffe wie die jüngsten in Paris nicht mehr stattfinden können auf dem Antlitz der Erde.“ Roman Kent, Auschwitz-Überlebender anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz

Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 ist es der Naturfreundejugend Deutschlands ein wichtiges Anliegen, den Blick zurück auf die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und insbesondere der damit verbundenen Schoah, der Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen im Holocaust, nicht zu verlieren.
Im Januar 2015 jährte sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz als dem Symbol der Schoah, stellvertretend für viele andere Orte des Unrechts, zum siebzigsten Mal. Zum siebzigsten Mal gedachten Menschen in aller Welt der Opfer und erwiesen den Millionen, die den Hass der Nazis nicht überlebt haben, die Ehre. Es war ein trauriges Jubiläum, doch die Menschen sammelten an diesem Jahrestag auch Kraft, Hoffnung und spürten Solidarität. Noch einmal wuchs der Wunsch, gar der „Kampfruf“: Dass Auschwitz nie wieder sei. Doch wie lange wird uns Auschwitz noch als mahnendes Symbol der ultimativen Perversion menschlichen Handelns in Folge einer irren Rassenideologie und verhängnisvollem Nationalismus dienen? Wie lange wird Auschwitz noch in unserem kollektiven Gedächtnis allgegenwärtig bleiben und so die schlimmsten möglichen Folgen verantwortungsloser Politik und anteilslosem Wegsehens aufzeigen?


Wie so oft an Jahrestagen, die an die Kriegsverbrechen in der deutschen Vergangenheit erinnern, wird die Forderung laut, die Vergangenheit ruhen zu lassen und abzuschließen. Laut einer 2015 veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann Stiftung befürworten 55% der Deutschen (Stand 2013) einen Schlussstrich unter diesen Teil der deutschen Vergangenheit zu ziehen. Dies wäre jedoch fatal. Im Januar 2015, bei der Gedenkstunde zum 70. Jahrestag der Befreiung der Lager Auschwitz‘, mahnten alle Redner*innen eindringlich, dass die dort und in anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern verübten Gräueltaten an Jüdinnen und Juden und anderen diskriminierten und verfolgten Gruppen, dieser systematischste, industriell und logistisch organisierte Genozidversuch in der Weltgeschichte so beispiellos sei, dass er nicht vergessen werden dürfe, damit sich die Vergangenheit nicht wiederholen kann. Und dennoch muss stets für eine angemessene Erinnerungskultur gekämpft werden: Nur wer erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen.


Es geht beim Erinnern aber nicht nur um die reine Kenntnis von Fakten. Wichtig ist vor allem auch die eigene kritische Auseinandersetzung mit sich selbst in Bezug auf das Geschehene. Deshalb kann Erinnern nicht bedeuten, die Schoah als gewöhnliches Thema der Geschichte zu sehen, das in der Schule im Rahmen einer Unterrichtsstunde mal behandelt wird. Wir sehen die Auseinandersetzung als wichtigen Teil einer jeden Persönlichkeitsbildung an. Für die Naturfreundejugend Deutschlands geht es dabei nicht darum, dass wir uns als junge in Deutschland lebende Menschen schuldig fühlen müssen. Vielmehr geht es uns darum, im Bewusstsein der schlimmsten möglichen Folgen unser zukünftiges Handeln und unsere Ansichten kritisch überprüfen zu können und so zu mündigen, selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Menschen zu werden. Deshalb dürfen die Shoah und die anderen Verbrechen der Nazis nicht an Bedeutung für die Geschichte der Menschheit verlieren.

Wo können wir heute Lehren aus dieser Vergangenheit ziehen?
In Zeiten, in der die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung in Dresden zu Demonstrationen über 15.000 Menschen mobilisieren konnte, werden rechtspopulistische Parolen mit der AfD wieder salonfähig. Natürlich sind diese Bewegungen nicht direkt mit dem Nationalsozialismus vergleichbar, aber ähnlich problematische Denkmuster und Vorurteile liegen ihnen zu Grunde. Immer mehr Menschen in Deutschland scheinen sich um ihre Privilegien zu fürchten. Rufe nach strengeren Einwanderungsregeln werden laut. Stereotype Sündenböcke gibt es viele: die Ausländer, die Muslime, die faulen Griechen, und viele mehr. Dazu kommen Stimmen die meinen, dass es Deutschland besser ginge, wenn es sich auf die Interessensphäre des Nationalstaates zurückziehen und sich damit mehr von den anderen EU-Staaten abgrenzen würde. Wahlerfolge der rechtspopulistischen Parteien bei der Europawahl zeugen davon, dass eine Politik der Abschottung anstelle des Zusammenwachsens europaweit immer mehr Zustimmung findet. Auschwitz zeigt uns, dass dies der falsche Weg ist!
Als junge NaturFreunde sehen wir die Vergangenheit als Mahnung, aber auch als Teil unserer eigenen Geschichte.
Wir, die die Schreckensherrschaft nie erleben mussten, sehen uns daher in der Verantwortung, die Erinnerung lebendig zu halten. Anstelle ohnmächtig vor dem Grauen oder auch vor Scham inne zu halten, ziehen wir aus der Erinnerung Konsequenzen für unser eigenes Handeln. Vom 17. bis 21. Juni 2015 veranstalten wir gemeinsam mit zahlreichen anderen Jugendverbänden eine große Bündnisfahrt nach Auschwitz. Viele junge Menschen aus unseren Verbänden lassen sich in diesem Zusammenhang zu Multiplikator*innen ausbilden. Sie werden dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft gedenken und dass wir uns mit den Ursachen dieses enormen Unrechts kritisch auseinandersetzen. Als junge NaturFreunde setzen wir uns aktiv für ein friedvolles, respektvolles und solidarisches Miteinander und für eine Verständigung zwischen den Kulturen ein. Wir bieten keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Unterdrückung und Diskriminierung!
Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen.
(Internationales Auschwitz Komitee, Januar 2009)
Wir werden nicht vergessen! Dass Auschwitz nie wieder sei!