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Gemeinsam gut gebildet in die Zukunft

Bildung zählt nach Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen zu den Rechten eines jeden Menschen auf der Erde. In der Erklärung verpflichten sich die Staaten den freien Zugang zur Bildung zu garantieren. Kaum einer bestreitet, dass sie der Schlüssel für den Erfolg einer Gesellschaft ist, dennoch werden die Menschen auch in Deutschland nicht optimal gefördert und in Bezug auf Chancengleichheit diskriminiert. Dieser Zustand kann nicht bestehen bleiben!

Junge Naturfreundinnen und Naturfreunde setzen sich daher für Folgendes ein:

  • Für einen freien Zugang zu allen Formen der Bildung

Die Einführung von Studiengebühren in vielen Bundesländern hat zu einer Verschärfung dieser einkommensabhängigen Selektion geführt. Nicht jeder, der gerne studieren möchte, kann sich dies auch leisten. Chancengleichheit kann nur gelingen, wenn alle Menschen den gleichen Zugang zu Bildungseinrichtungen haben. Keine Bevölkerungsgruppe darf diskriminiert sein. Dies beinhaltet insbesondere, dass Herkunft, Religion, Geschlecht und Einkommen keinen Einfluss auf das nutzbare Bildungsangebot haben dürfen. Ohne Chancengleichheit wird unsere Gesellschaft auf Dauer gehemmt bleiben. Sie wird ihr Potenzial nicht nutzen können, denn dies steckt in den Menschen und kann nur bei einem freien Zugang zu Bildung voll entfaltet werden.

Wir fordern konkret:
Die Abschaffung jeder Form von Studiengebühren. Auch darf kein einseitiger Ausbau der Begabtenförderung erfolgen, bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Bafög. Was wir brauchen ist eine Reform der Bafög-Vergabe und eine Erhöhung des Bafög-Satzes. Nur so kann auch ein gleicher Zugang zu einer universitären Bildung gewährleistet werden.

  • 2. Für eine Förderung der individuellen Stärken

In jedem Menschen stecken Stärken! Diese können allerdings von ganz unterschiedlicher Natur sein. Allzu oft ist das Bewusstsein der heutigen Leistungsgesellschaft aber enorm beschränkt. Der Fokus liegt einzig auf den allmächtigen Schulnoten und den gemachten Abschlüssen. Andere Fähigkeiten können nicht quantifiziert werden und fallen daher bei der Bewertung des Menschen hinten runter, dabei sind sie mindestens genauso wichtig und wertvoll. Selbst für einfachste handwerkliche Tätigkeiten benötigen BewerberInnen vielfach ein Abitur oder zumindest die mittlere Reife, um sich im Verfahren durchsetzen zu können, dabei stellt sich doch die Frage: „Wäre nicht für einen Job im Handwerk handwerkliches Geschick viel zielführender? Wer nicht zu den Glücklichen gehört denen das Lernen besonders leicht fällt, wird daher häufig bereits in frühen Jahren derart auf Lernen getrimmt, dass sich andere Fähigkeiten kaum entwickeln können – häufig mit dem Erfolg, dass die Betreffenden bereits früh ausgebrannt und lustlos sind. Als junge NaturfreundInnen machen wir uns daher für eine individuelle Förderung der Stärken eines jeden Menschen stark. Die Lehrkräfte müssen dabei geschult werden, ihre Vorurteile hinsichtlich gesellschaftlicher Kategorien kritisch zu hinterfragen. Die Beschäftigungspolitik muss darauf angepasst werden.

Wir fordern konkret:
Junge Menschen müssen ohne Leistungsdruck Möglichkeiten bekommen, sich selbst zu entwickeln. Schulnoten sind dabei kontraproduktiv und müssen abgeschafft werden. Stattdessen sollte eine auf individuelle Förderung bezogene Beurteilung erfolgen.

  • Für vielseitige Bildung ohne strenges Korsett

Häufig fällt in unserem derzeitigen Bildungssystem die Phase der persönlichen Orientierung viel zu kurz oder ganz aus. Getrieben vom Leistungsdruck kommt es darauf an, in möglichst geringer Zeit einen möglichst guten Abschluss zu machen. Eingezwängt in ein enges Bildungskorsett ist der Blick nach links oder rechts nicht mehr vorgesehen, wenn auch ständig seitens der Unternehmen und der Politik gefordert.
Durch die Umstellung des Hochschulwesens auf Bachelor und Master verstärkt sich diese Entwicklung noch, statt die Vorteile einer möglichen Flexibilisierung individueller Bildungsbiographien auszuspielen. So hätten zwischen Bachelor und Master noch andere Erfahrungen gesammelt und die Möglichkeiten eines Auslandsstudiums erhöht werden können. Die Realität sieht jedoch anders aus: Anstatt neue Studiengänge zu konzipieren wurden oft die Inhalte der bisherigen Studiengänge in die neue Studienstruktur gestopft und einfach mit zusätzlichen Prüfungen versehen. Starre Studienordnungen und die Unsicherheit über einen Master-Platz verhindern eine langfristige Studienplanung. Kaum haben sich die Studierenden an der Uni eingelebt und ihr Grundstudium abgeschlossen, müssen sie sich schon wieder an die Bachelor-Arbeit machen. Für deren Bewertung zählt ab dem ersten Semester jede Prüfung. Wer einen Master machen möchte, muss daher nach der Schule direkt voll durchstarten, denn überdurchschnittliche Leistungen im Bachelor werden vielfach für die Zulassung vorausgesetzt. Dies hat zu einer deutlich angestiegenen Arbeitsbelastung geführt. Nicht Wenige sind dadurch so ausgelastet, dass an eine erweiterte Orientierung im Sinne einer breiten Allgemeinbildung nicht zu denken ist. Dies hat nicht nur den Zustrom zu den psychologischen Beratungsstellen deutlich erhöht, sondern auch dazu geführt, dass Selbstverwirklichung und ehrenamtliches Engagement neben dem Studium zunehmend abnehmen. Ein solches Studium erfüllt seinen Zweck nicht mehr. Nur wer seine Stärken in unterschiedlichen Bereichen erforscht, kann später sein ganzes Potenzial nutzen!
Die Naturfreundejugend Deutschlands setzt daher eine breite Bildung mit Raum zur eigenen Orientierung dem vorherrschenden Modell des schnellen zielgerichteten Lernens entgegen.
Wir fordern konkret:
Der Bologna-Prozess muss reformiert werden. Die Politik hat hinsichtlich der Umsetzung der Studiengänge klare Vorgaben bezüglich der Arbeitsbelastung und Strukturierung der Studiengänge zu machen.

  • Gegen eine bildungsniveauabhängige Kastenbildung

Als Menschen sind wir alle Teil einer Gesellschaft. Einer zunehmenden Aufteilung in soziale Kasten abhängig vom Bildungsniveau muss daher entgegengewirkt werden. Dies geht nur durch den Kontakt untereinander. Alle Kinder müssen im Bewusstsein der anderen aufwachsen. Das heißt insbesondere auch, die gleiche Schule besuchen. Das dreigliedrige Schulsystem stammt aus dem vorletzten Jahrhundert und dort gehört es auch hin. Eine Separierung der Schülerinnen und Schüler nach der vierten oder sechsten Klasse ist nicht nur häufig vorschnell und stark von der Erziehung sowie dem Bildungsniveau und Einkommen der Eltern abhängig, sondern verstärkt das Denken in sozialen Schichten und entfernt das Bewusstsein für den Wert des jeweils anderen. Das mehrgliedrige Schulsystem reproduziert damit gesellschaftliche Ungleichheiten immer wieder aufs Neue. Dies bedeutet nicht, dass alle Schüler gleich lernen sollen. Es ist sogar besonders wichtig, dass eine individuelle Förderung jedes einzelnen stattfindet. Dies kann aber an einer gemeinsamen Schule sogar deutlich besser erreicht werden, zum Beispiel durch fachspezifische Unterstützung. Eine Schülerin, die in Mathematik gut ist, wird nicht unbedingt auch im Kunstunterricht zu den Spitzenschülern gehören oder ein Turn-Ass der Beste im Geschichtsunterricht sein. So können alle gemäß ihrer Stärken unterstützt werden, ohne dass es sofort eine Einteilung in die Guten auf dem Gymnasium und die Schlechten auf der Hauptschule gibt, und es ist sogar eine höhere Durchlässigkeit bei Veränderungen der Lerneigenschaften möglich.
Wir fordern konkret:
Das mehrgliedrige Schulsystem muss von einer Gemeinschaftsschule abgelöst werden. Die Bildung dort soll von individueller Förderung geprägt sein, aber auch den Kontakt der Schüler untereinander fördern. Die Schule muss durchlässig sein, das heißt einer Anpassung der Lerngeschwindigkeit in einzelnen Fächern muss schnell Rechnung getragen werden. Wer mit wem die Pause verbringt darf nicht durch das Bildungsniveau vorbestimmt sein. Geld und Bildungsniveau der Eltern darf nicht den Ausschlag für gute Bildung geben. Durch den gemeinsamen Besuch einer Schule wird eine Kastenbildung verhindert.

  • Für einen Ausbau der frühkindlichen Förderung

Bildung fängt nicht erst in der Schule an, sondern ist auch schon in den ersten Lebensjahren wichtig. Gerade in diesem Bereich ist das Einkommen der Eltern besonders vorbestimmend, denn Kita und Kindergarten-Plätze sind nicht ausreichend vorhanden und kosten in den meisten Bundesländern Geld. Eine frühkindliche Förderung ist aber ebenso für alle Kinder wichtig und muss ihnen ermöglicht werden.
Wir fordern konkret:
Es müssen ausreichend bezahlbare Kita-Plätze flächendeckend vorhanden sein. Geldmittel müssen daher hierfür eingesetzt werden, statt durch das Betreuungsgeld mehrheitlich wieder an die Besserverdienenden gelenkt zu werden.

Für eine Stärkung der außerschulischen und außeruniversitären Bildung

Ein wichtiger Bestandteil der Bildung eines jeden Menschen sind die persönlichen Erfahrungen, die durch keine institutionelle Bildung ersetzt werden können. Diese Erfahrungen werden nicht erst in der Ausbildung oder beim Betriebspraktikum während des Studiums relevant, sondern sind Grundbestandteil seit der Geburt. Ihre Förderung darf zu keinem Zeitpunkt vernachlässigt werden. Wichtig ist, dass diese Form der Bildung nicht planbar ist, sondern im Wesentlichen aus der Situation entsteht. Gefühle gehören ebenso dazu, wie das Erlernen eines sozialen Verhaltens im Umgang mit anderen. Insbesondere im Spiel Erfahrenes wird sich oftmals als wertvoll für das ganze Leben erweisen. Räume hierfür müssen daher in der Entwicklung zur Verfügung stehen. In diesem Bereich können auch wir als Naturfreundejugend einen wertvollen Beitrag leisten.
Wir leisten konkret:
In unserer Gruppenarbeit und auf unseren Freizeiten und Veranstaltungen ermöglichen wir Gruppenerfahrungen zu erleben und verschiedene eigene Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Der offene Umgang miteinander lässt dabei eine freie Entfaltung der Persönlichkeit zu und bietet ein geeignetes Umfeld, um eigene Interessen und Sichtweisen zu entwickeln. Durch Ehrenamtliches Engagement kann das Tragen von Verantwortung gelernt werden. Bei unseren Angeboten achten wir darauf, dass sie für jeden frei zugänglich sind, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und Einkommen.

Schlagworte: Jugendbeteiligung