
Atommüll: Kinder haften für ihre Eltern
Der Jugend von heute wird ein unheimliches Erbe hinterlassen: Atommüll aus den deutschen Atomkraftwerken strahlt über Hunderttausende von Jahren. Weil der ungeschützte Kontakt tödlich verlaufen würde, muss er über einen unvorstellbaren Zeitraum von einer Million Jahren von Menschen und Natur abgeschirmt werden. Die bisherigen deutschen Endlager, in denen jahrelang Atommüll eingelagert wurden, zeigen, dass das eine unlösbare Aufgabe ist. In der Asse, einem ehemaligen Salzbergwerk in der Region Braunschweig wurden 126 Fässer mit Atommüll versuchsweise deponiert. Heute ist das Lager mit seinen einsturzgefährdeten Kammern und austretender radioaktiver Lauge eines der größten Umweltprobleme Deutschlands.
Nach Schätzung des Bundesamts für Strahlenschutz werden bis 2040 in Deutschland 17200 Tonnen hochradioaktive Abfälle anfallen – vorausgesetzt der Atomausstieg wird wie beschlossen umgesetzt. Falls die Laufzeiten der AKWs verlängert werden, würde es noch mehr werden. Bislang lagert der Atommüll in Betonhallen an den Standorten der Atomkraftwerke und in zentralen Zwischenlagern. Vor Terrorangriffen oder Flugzeugabstürzen ist er dort nicht ausreichend geschützt.
Teures Erbe Atomkraft
In den 1950er und 1960er Jahren wusste man noch nicht genug über die Risiken und unlösbaren Probleme der Atomkraft. Um die vermeintlich billige und unerschöpfliche Energiequelle zu erschließen, subventionierte Deutschland Atomkraftwerke und nukleare Lagerstätten bislang mit 165 Milliarden Euro. Die Träume von damals haben sich zerschlagen, doch die alten Kraftwerke laufen weiter. Die überwiegend in den 1970er Jahren gebauten Atomkraftwerke bescheren den großen Energiekonzerne Vattenfall, Eon, EnBW und RWE täglich Millionengewinne. Kein Wunder, dass sie diese auf Kosten der zukünftigen Generationen weiterlaufen lassen wollen. Forschung, Endlager und Steuerrückstellungen der Konzerne werden in Zukunft nach einer aktuellen Greenpeace-Studie weitere 92,5 Milliarden Euro an Steuergelder kosten.
Wenn die jungen Menschen von heute in der Mitte des Lebens stehen, werden sie nicht nur für die Kosten zur Sicherung und Lagerung des Atommülls aufkommen müssen. Sie werden auch Fehler der heutigen Energiepolitik ausbaden müssen. Je länger die AKWs laufen, desto weiter wird der notwendige Ausbau der Erneuerbaren Energien hinausgezögert. Nur mit einer effizienten Versorgung aus Wind-, Sonnen und Bioenergie kann der Klimawandel gebremst und eine nachhaltige Entwicklung gesichert werden. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist für junge Menschen deshalb ein ganz zentrales Anliegen.
Neue Webseite gegen Atomlügen
RWE, Vattenfall und Co schrecken jedoch nicht davor zurück, jungen Menschen vorzugaukeln, sich für eine zukunftsfähige Energieversorgung einzusetzen. Im aktuellen Kino-Werbespot von RWE pflanzt ein freundlicher Riese Windräder in eine Landschaft mit grünen Hügeln. In Wirklichkeit hat RWE nur 0,1 Prozent Windkraftwerke. Auch die fünf AKWs des Konzerns tauchen in dem Spot selbstverständlich nicht auf.
Mit Unterrichtsmaterialien versuchen die Energiekonzerne in der Schule Einfluss auf Jugendliche zu nehmen. Die ungelösten Fragen der Endlagerung des Atommülls und die dramatischen Probleme in den bisherigen Endlagern werden in diesen Materialien natürlich nicht behandelt. Stattdessen suggerieren sie, Atomkraftwerke könnten einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Mit der neuen Internetseite www.countdown2021.de gibt die Naturfreundejugend Deutschlands gezielt Antworten auf die Fragen junger Menschen zum Atomausstieg. Die Seite soll diejenigen, die Tschernobyl und die Anti-Atombewegung der 1980er Jahre nicht miterlebt haben, umfassend über die Gefahren und Probleme der Atomtechnik informieren. Anhand von Hintergrundinformationen, Diskussionsbeiträgen und Videos versetzt sie junge Menschen in die Lage, sich ein eigenes Urteil zur Thematik zu bilden und die Lügen und Fehlinformationen der Energiekonzerne zu durchschauen.
Weiterführende Links
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10.02.2012 – 12.02.2012
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