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Erfahrungen aus Aserbaidschan

Vor einigen Wochen starteten wir unsere Reise in Richtung Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Wir waren eine bunte Mischung aus ehrenamtlich und hauptamtlich Aktiven der Naturfreundejugend. Alle mit großer Neugierde auf das Land, vor allem aber auf die Naturfreund*innen vor Ort und ihre Aktivitäten. Noch nie war ich in solch kurzer Zeit mit einem mir unbekannten Land so intensiv in Kontakt gekommen.

Uns erwartete ein vielfältiges Programm, welches unsere 9 Tage bis zum Rand füllte. Bereits bei unserer Ankunft in Baku sah ich deutlich die Kontraste im Land. Neben der schön restaurierten Altstadt übertönen neumoderne Glasbauten das Stadtbild, während man keine 15 Minuten entfernt vom Zentrum durch eng verwinkelte Gassen in Wohnsiedlungen gelangt, in denen nicht viel vom wirtschaftlichen Ertrag der erdölreichen Region zu sehen ist.

Am ersten Tag nahmen wir an einem internationalen Fahrradevent der aserbaidschanischen Naturfreunde teil, die sich ursprünglich „Green Bikers Club“ nannten. Seid ihrer Gründung treffen sich Mitglieder für Fahrradtouren auf den groß befahrenen Straßen in Baku und widersetzen sich damit dem klassischem Bild einer modernen Stadt ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit.

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Die nächsten Tage unternahmen wir Ausflüge zum großen Kaukasus, dem Qobustan-Nationalpark und einem deutschen Dorf in dem Gebiet Berg Karabach. Neben Xinaliq, einem der höchstgelegenen Dörfer (2.350 m) in Aserbaidschan mit einer einzigartigen Kultur, ging es auch zum Bergdorf Qriz. Dort wurden alle Teilnehmer*innen bei einer Bauernfamilie untergebracht. In dieser eindrucksvollen und weitestgehend unberührten Naturlandschaft konnten wir nun auch den Aseris etwas von unserer Arbeit zeigen. Bei einer „sozialen Wanderung“ zum nächstgelegenen Wasserfall diskutierten wir über nachhaltigen Tourismus und erlebten einen „Silent Walk“, einzig und allein begleitet von den Rufen der Gänsegeier, die an der gegenüberliegenden Felsklippe kreisten.

soziales_wandern

Ein völlig anderes Naturerlebnis präsentierte sich uns im Qobustan-Nationalpark. Neben den bis zu 10.000 Jahre alten steinzeitlichen Felszeichnungen besichtigten wir dort Schlammvulkane. Da es an diesem Tag sehr windig war, blieben auch nicht alle von einer kleinen Schlammdusche bewahrt. Glücklicherweise wird dem sehr mineralhaltigen und übrigens auch kalten Substrat eine heilende Wirkung nachgesprochen.

Schlamvulkane

Am eindrucksvollsten war für mich der Aufenthalt im Bezirk Qax. Quer durch ein Flussbett ging es auf der Ladefläche eines sowjetischen/russischen Lastkraftwagen hinauf zum Bergdorf Saribas. Dort befragten wir die Bewohner*innen zum Lebensstil in diesem abgeschiedenen Dorf. Bereits zuvor war die Gastfreundlichkeit aller Aseris, mit denen wir in Kontakt kamen, einfach unbeschreiblich, doch in Saribas ging sie für mich noch einen Schritt weiter. Zusammen mit meiner „Interviewpartnerin“ klopften wir an fremde Türen und wurden überall herzlichst empfangen und auf einen Tee eingeladen. Wir trafen zudem auf reges Interesse über unsere Leben in Baku und in Deutschland. Am Abend tauschten wir uns über unsere unterschiedlichen Erlebnisse aus und hörten sehr vielfältige Geschichten aus diesem kleinen Dorf mit nur knapp 160 Einwohnern. Am nächsten Tag ging es zurück ins Tal zu einer heißen Wasserquelle. Diesmal jedoch zu Fuß über strömendes Wasser, entlang einer einzigartigen Flora und Fauna.

meine_Interviewpartnerin_Parvana_mit_der_Familie_in_Sar_ba

Neben unserer Abenteuerreise redeten wir in Workshops über die Arbeit der beiden Organisationen und einen möglichen Austausch in den nächsten Jahren. Die aserbaidschanischen Naturfreunde haben großes Interesse, mehr über unsere Arbeit und unseren strukturellen Aufbau zu lernen. Umgekehrt bin ich fest der Überzeugung, dass wir noch viel von diesem Verband lernen können. Denn diese noch recht junge Bewegung hat in ihrem Land bereits eine große Aufmerksamkeit erzielt.

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