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Jan - Diskriminierung und Musik

Ob ich schon mal diskriminiert habe? Sicherlich. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. In meiner Pubertät wurde ich stark durch die deutschsprachige HipHop-Szene geprägt. Alles was irgendwie nicht cool war, war damals für mich "schwul". Und Leute, die ich nicht besonders mochte, habe ich als Schwuchtel, Mongo oder Spast betitelt.

Es muss das Jahr 2001 gewesen sein, ich war 13 Jahre alt und total im HipHop-Fieber. Zusammen mit Jonas, meinem besten Freund, habe ich selbst probiert zu rappen. Denkster hieß unsere Kombo. Musikalisch war es natürlich unter aller Sau, aber wir waren stolz wie Hulle. Ich habe die Texte zu unseren Songs geschrieben und Jonas hat sich um den Beat gekümmert. Ein Song der damaligen Zeit ist mir besonders in Erinnerung geblieben: "DR. Kongo". In dem Song wird eine fiktive Geschichte von einem gewissen Doktor Kongo erzählt. Das Wortspiel von DR. Kongo als Demokratische Republik Kongo und DR. Kongo als Doktor Kongo - so platt es auch sein mag - fand ich damals so witzig, dass ich einen Song darüber schreiben musste. Ein paar Zeilen zitieren, um die Problematik zu verdeutlichen. So heißt es in dem von mir geschrieben Text:

Straigth from Kongo?
Ja, genau da komm ich her!
Mein Zug kommt erst inner Stunde
Yo, erzähl' mir mehr!
Im Kongo war ich King
und das werd ich hier auch!
Spiel' immer auf der Bongo,
denn so will's der Brauch.

Hallo Leute
Ich bin DR.Kongo,
trommel mich durchs Land
und erschrecke jeden Mongo.
Rumdidum, ich bin DR. Kongo,
trommel mich durch's Land
mit meiner kleinen Bongo.

Ich möchte gar nicht so sehr auf die Beleidigung Mongo eingehen, die hier auch auftaucht. Vielmehr möchte ich das Bild, welches hier von der Person namens "DR. Kongo" gemalt wird, ansprechen. Es zeigt den rückständigen Schwarzen aus dem Kongo, welcher auf seiner Bongo trommelt, scheinbar ganz treu seinen uralten Bräuchen folgend. Mein Bild vom Kongo, formuliert in dem Song, diskriminiert die Menschen aus dem Kongo, weil es sie als rückständige Bongo-Trommler darstellt. Im Nachhinein ein unnötiger Song, gibt es doch so viele schöne Musik, die ohne Klischees und Diskriminierung auskommt.

Jan
 

Schlagworte: Viel.Entfalten